Im dunkeln bleiben im Kunstband, der dem bislang nicht allgemein bekannten holländischen Zeichner Anthonie Waterloo (1610 bis 1690) gewidmet ist, bis zu einem gewissen Grade die Autoren. Sie heißen zwar Lotte und Wolf Stubbe, der Name Stubbe ist hochangesehen, aber welchen Anteil am Buch Lotte, welchen Wolf Stubbe hat, bleibt unbeantwortet. Waterloo wird als „Reisezeichner“ vorgestellt. Von Holland aus hat er Hamburg (mit Altona, Blankenese, Bergedorf) und Lüneburg besucht und ist bis Danzig-Oliva vorgedrungen. Die Zeichnungen gehören zu der unpathetischen und undramatischen Gattung der „paysages intimes“, der Künstler strebte eine „eindringliche Wiedergabe“ der Motive an, der Waldungen, Häuser, Mauern, Tortürme, Brücken, Bäche, Mühlen. Er verachtete das gebieterische Reglement französisch-klassischer Kunst. Die Werke sind über ganz Europa verstreut, in öffentlichen und privaten Sammlungen; 33 befinden sich in der Hamburger Kunsthalle, im Kupferstichkabinett, dessen Direktor Wolf Stubbe, der exzellente Graphikkenner (geboren 1903), lange gewesen ist. Die Arbeit des Paares Stubbe bestand a) im unermüdlichen Herumreisen und Aufstöbern der Zeichnungen; b) im vielfach sehr diffizilen Identifizieren der Motive und der Autorschaft; c) im Ermitteln der Chronologie der Arbeiten; d) im technischen, künstlerischen, geistesgeschichtlichen Erklären der einzelnen Blätter, die mit Blei, Kreide, Feder, Pinsel und unterschiedlichen Tuschen hergestellt wurden und zuweilen weiße Höhungen oder Auswaschungen aufweisen. Da wird vom Paar Stubbe eine Akribie demonstriert, die Modellcharakter wenigstens für Kunsthistoriker hat. Die Lektüre des sorgsam bebilderten Buches lohnt schon wegen der ganz vortrefflichen kunstkritischen Explikationen. (Christians Verlag, Hamburg; 234 Seiten, 98 Mark.) René Drommert