An Hiobsbotschaften aus der Europäischen Gemeinschaft hat man sich ja schon gewöhnt, in der vorigen Woche aber schien es dann doch ernst zu werden: „Brüssel meldet sich zahlungsunfähig“, hieß es etwa in der Süddeutschen Zeitung.

Was war geschehen? Eigentlich nicht viel: Die Vorauszahlungen auf Exporterstattungen in einigen Bereichen waren eingestellt worden. Das ist nicht mehr als die Rückkehr zum üblichen Kaufmannsbrauch – gezahlt wird nach dem Geschäft.

Schlagzeilen wurden daraus erst, weil EG-Agrarkommissar Poul Dalsager sich mit dieser Nachricht vor Journalisten wichtig gemacht hatte, und das in Abwesenheit von EG-Präsident Gaston Thorn. Daß der Gemeinschaft zum Jahresende Geld fehlt, ist jedoch schon lange kein Geheimnis mehr. Sinnvoll wäre die Maßnahme deshalb auch nur zum Jahreswechsel gewesen, um damit Zahlungsverpflichtungen von über fünfhundert EG-Rechnungseinheiten in das nächste Jahr zu schieben. „Das ist manch einem sein ganzes Geld“, pflegte der frühere Bundesfinanzminister Hans Matthöfer bei solchen Gelegenheiten zu sagen; aber die EG geht deshalb noch lange nicht pleite. rw