Selbst hartnäckige Kritiker der gegenwärtigen Bonner Regierungspolitik räumen ein, daß es jetzt erste Anzeichen für eine Konjunkturerholung in der Bundesrepublik gibt. Was bedeutet das für den Aktienmarkt?

Immer mehr Banken veröffentlichen in diesen Tagen Schätzungen über die Unternehmensgewinne des Jahres 1984. Danach werden sie – nach einem Anstieg um 10 bis 15 Prozent in diesem Jahr – bei den börsennotierten Unternehmen nochmals um etwa zehn Prozent wachsen.

Das hat die institutionellen Wertpapieranleger beeindruckt. Sie müssen auf längere Sicht disponieren und können sich deshalb nicht auf „Börseneintagsfliegen“ festlegen. Die Profis haben die Ertragseinschätzungen weitgehend akzeptiert. Ein Teil der jüngsten Kurssteigerungen am Aktienmarkt geht auf das Konto der Versicherer.

Natürlich sind Ertragsschätzungen, wenn sie zu einem so frühen Zeitpunkt abgegeben werden, mit zahlreichen Fehlerquellen belastet. Sie liegen nicht nur in den Unternehmen selbst, sondern betreffen vor allem die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.

Sie müssen wissen, meine verehrten Leser, daß zu den Prämissen der Ertragsprognosen Fortschritte in der Ausweitung der Produktion ebenso gehören wie ein tendenziell fallender Dollar und ein sich langsam zurückbildender Zins.

Nur eine bessere Auslastung der Kapazitäten würde die Stückkosten senken und zu steigenden Erträgen führen, ohne daß damit die Notwendigkeit einer Personalaufstockung verbunden sein müßte. Hohe Arbeitslosenzahlen und steigende Unternehmenserträge brauchen in der Erholungsphase der Konjunktur kein Widerspruch zu sein.

Die Untersuchungen der Wertpapieranalysen der Banken haben zu dem bemerkenswerten Ergebnis geführt, daß eine Reihe sogenannter Qualitätsaktien zu den preiswertesten Papieren zählen, die der deutsche Aktienmarkt zu bieten hat. Ähnliche Feststellungen gibt es auch für die New Yorker Börse. Die Wiederentdeckung der Qualitätsaktien hat dort zu einem neuen Rekordstand des Dow-Jones-Index geführt, in dem nur 30 prominente Industrieaktien vertreten sind und der deshalb im Grunde nur einen Teil der tatsächlichen Börsenentwicklung in den, USA widerspiegelt.