Die Entwicklung in Nicaragua sei „das große Problem“ der mittelamerikanischen Krisenregion. Mit diesem Eindruck kehrte die von Präsident Reagan eingesetzte Mittelamerika-Kommission nach Washington zurück.

Der Leiter der Kommission, der ehemalige Außenminister Henry Kissinger, erklärte, alle Staaten verfolgten die Politik von Staaten gua „mit tiefer Besorgnis“. Die Regierungen von Panama, Costa Rica, El Salvador, Honduras und Guatemala fürchteten den politischen und militärischen Druck eines schwer bewaffneten Nicaragua.

Kühl, teilweise „stürmisch“ und ohne ein greifbares Ergebnis verliefen die Gespräche mit den Vertretern der Regierung in Managua, darunter dem Koordinator der Junta Daniel Ortega. Kissinger drängte erneut und massiv auf demokratische Wahlen: Amerika sei nicht bereit, zwischen Frieden und Demokratie zu wählen.

Daniel Ortega behauptete, Amerika habe seinem Land den Krieg erklärt. Trotzdem sei Nicaragua bereit, den Dialog mit den Vereinigten Staaten fortzusetzen. Wenn Amerika allerdings Frieden wolle, dann solle es die Unterstützung für die antisandinistischen Rebellen einstellen.

Auch die Gespräche, die Ortega Stunden zuvor mit dem Abteilungsleiter für Lateinamerika im State Department, Langhorne Motley, führte, brachten keine Annäherung der Standpunkte. Motley meinte jedoch, allein die Tatsache seines Besuches sei bereits ein bemerkenswerter Schritt. Er ist der ranghöchste Diplomat, der Nicaragua in den vergangenen beiden Jahren besuchte.

Während des Besuchs der Kommission kam es zu antiamerikanischen Demonstrationen in der Hauptstadt. Ortega kündigte nach weiteren Angriffen von Rebellen auf Öllager an, Nicaragua werde sich verstärkt bei anderen Regierungen, um militärische Hilfe bemühen.

Die Gespräche mit den fünf mittelamerikanischen Regierungen verliefen ohne nennenswerte Dissonanzen, aber auch ohne verwertbare Ergebnisse. Vor allem die Präsidenten von Costa Rica und Panama drängten auf eine Erhöhung der amerikanischen Finanzhilfe. Nur so könne man die Situation in dieser Krisenregion stabilisieren. Die Kommission will eine Erhöhung der wirtschaftlichen Hilfe für diese Region empfehlen. Allerdings liegen die Vorstellungen über den Umfang weit auseinander.