Die Nobel-Ökonomen und ihr Beitrag zur Uberwindung der Weltwirtschaftskrise

Von Wilhelm Hankel

Ließe sich ein Medizinpreis für Siege an der Krebsfront denken, solange diese tückische Krankheit Millionen Menschen Jahr für Jahr dahinrafft? Schwerlich. Ganz anders bei der Zunft der Ökonomen, seit sie dank der hochherzigen Stiftung der Schwedischen Reichsbank von 1968 über einen eigenen Nobelpreis verfügt. Die Sozialärzte feiern seitdem den Fortschritt ihrer Wissenschaft, derweil ihr Forschungsgegenstand, die Ökonomie, verkommt, immer mehr Menschen ihre materielle Sicherheit verlieren oder gefährdet sehen, die Jugend nach ihrer Zukunft, die Alten nach dem Bestand ihrer sauer verdienten Ansprüche fragen, immer mehr Bankiers insgeheim die „Werthaltigkeit“ der ihnen anvertrauten Gelder überschlagen.

Das Fach feiert seine Besten, obwohl diese Besten erkennbar nichts zur Bewältigung der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise beizutragen haben, nicht nur der schwersten Krise seit über fünfzig Jahren, sondern auch der schwersten, die überhaupt je statistisch aufgezeichnet wurde – gleichzeitig in Nord und Süd, West und Ost.

Der „mittlere ökonomische Nobelpreisträger“ der Jahre 1969 bis 1982 entspricht in etwa folgendem Steckbrief: Man nehme einen Wirtschaftsprofessor – um Gottes willen keinen Praktiker, Politiker, Unternehmer oder gar Gewerkschafter wenn irgend möglich, den Emeritus einer geachteten Universität, achte peinlichst darauf, daß er weißer Hautfarbe sei (nur ein Laureat von bislang achtzehn verletzte diese Regel) und bestehe darauf, daß sein Werk in makellosem Englisch, hilfsweise American-English, vorliegt.

Die dem Laien nur schwer verständliche Kluft zwischen ökonomischer Analyse (die schon einen Max Planck resignieren ließ: Das Fach sei für ihn zu schwer) und ihren so begrenzten Anwendungsmöglichkeiten wird durch die bisherigen preisgekrönten Werke und Autoren geradezu exemplarisch belegt. Es wäre falsch und auch ungerecht, daraus auf ein zu esoterisches oder gar elitäres Wissenschaftsverständnis schließen zu wollen. Der Grund liegt woanders. Fünfzig Jahre nach der vorläufig letzten großen Weltdepression in den dreißiger Jahren sind die Ökonomen noch immer weitgehend auf diese Krise fixiert und immer noch nicht auf unsere eigene Krise, die große Depression der achtziger Jahre. Wie Generäle, die noch immer den bereits verlorenen letzten Krieg gewinnen wollen, hatten die Wirtschaftstheoretiker noch keine Zeit, den Schlachtplan für den Kampf gegen die akute Krise zu entwerfen.

Damals, als die Weltwirtschaft das erstemal zusammenbrach, die aus dem 19. Jahrhundert übernommenen Modelle und Erklärungsmuster sich als anachronistisch erwiesen, rüstete man um. Damals entstanden die heute noch führenden Schulen und Lager: der keynesianische Wohlfahrtsstaat, die neue Klassik Hayeks, Friedmans und ihrer Schüler. Es war jene Art der Weltwirtschaftsökonomie, deren großer – aber unzureichender – Fortschritt darin bestand, außer der Güter- auch noch die Faktorbewegungen ins weltwirtschaftliche Kalkül einzubeziehen, einen Faktor aber dabei sträflich zu vernachlässigen – die dazugehörige internationale Geldordnung. Darum aber geht es in dieser Weltwirtschaftskrise. Es geht darum, daß nur eine monetär abgesicherte Weltwirtschaft krisenfest zu machen und überlebensfähig zu erhalten ist.