Gefahren, Risiken, Perspektiven

Von Kurt Becker

Seit der Doppelbeschluß, die Pershing II und die Nachrüstung zu politischen Reizvokabeln ohnegleichen geworden sind, hat das öffentliche Interesse an der äußeren Sicherheit der Bundesrepublik ein völlig unvorhergesehenes Ausmaß erreicht. Doch die leidenschaftliche Debatte geht leider nicht einher mit einer ebenso erstaunlichen Passion, den außen- und sicherheitspolitischen Gesamtzusammenhang zu durchdringen, ohne dessen ausreichende Kenntnis die Polarisierung beim Doppelbeschluß noch verschärft wird.

Das ist eine Schwäche der öffentlichen Auseinandersetzung, die vorwiegend von der Furcht um den Verlust des Friedens, überhaupt von der Emotion beherrscht wird. Ein Versuch, dazu noch ein besonders gelungener, die viel zu wenig beachteten Fundamente unserer außen- und sicherheitspolitischen Existenz stärker ins Bewußtsein zu rücken, liegt uns als Buch eines Experten vor:

Walther Stützle: „Politik und Kräfteverhältnis“, Verlag E. S. Mittler & Sohn, Herford 1983; 160 Seiten, 24,80 DM.

Stützle war von 1976-82 unter den Ministern Leber und Apel Chef des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium. Glücklicherweise ist er in seinem Expertentum nicht ertrunken. Vielmehr überzeugt er durch die Klarheit, mit der er die wichtigsten Leitlinien der Sicherheitspolitik nachzeichnet. Er vermeidet, was auf diesem Felde keineswegs alltäglich ist, jeden Anflug eines Fachjargons und wird nicht nur von den Experten respektiert, sondern vor allem auch von den interessierten Nicht-Experten verstanden werden.

Mit der Erfahrung eines langjährigen Ministerberaters, der in seinem Amt ungezählte Male die Umstände bei wichtigen Bündnisentscheidungen und Entwicklungen im Ost-West-Verhältnis formulieren mußte, liefert Stützle eine prägnante Übersicht über die Bedingungen deutscher Sicherheitspolitik, über den Verlauf der Entspannungspolitik, über die Gefahren, Risiken und Perspektiven.