Ein österreichisches Raumforschungs-Institut hat die Erschließungsprojekte des Brandnertals in Vorarlberg analysiert. Das Ergebnis: Einrichtungen für Sommergäste haben Vorrang, der Bedarf an Seilbahnen und Liften ist nahezu gedeckt.

Im hochalpinen Brandnertal in Vorarlberg sind die Zeiten euphorischen Planens, willkürlichen Bauens endgültig vorbei. Die wirtschaftliche Stagnation der letzten Jahre und das wachsende Umweltbewußtsein haben zu einer realistischen Betrachtungsweise von Erschließungsprojekten geführt.

Für das Brandnertal, ein bereits hochentwickeltes Feriengebiet mit Winter- und Sommersaison, bedeutet dies: die einzelnen Bauvorhaben – beispielsweise ein Golfplatz, eine Gletscherseilbahn und Lifte zur Verbindung zweier Skigebiete – werden nicht mehr isoliert auf Nutzen und Zweckmäßigkeit hin untersucht, künftig soll nur mehr nach dem tatsächlichen Bedarf und nach den räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten des gesamten Gebietes gebaut werden.

Die Beteiligten, die Vorarlberger Landesregierung und die Talgemeinden Brand und Bürserberg, haben klare Ziele. Die landschaftlichen Besonderheiten des Tals, sein Seengebiet, die Moränen und Gletscher, sollen geschützt, die bergbäuerliche Bodenbewirtschaftung erhalten bleiben.

Die Vertreter der Fremdenverkehrswirtschaft des Brandnertals streben einen Tourismus mit längerer Aufenthaltsdauer an und ein ausgewogenes Verhältnis von Sommer- und Wintersaison. Qualitative Verbesserungen haben den Vorrang vor Quantitätserweiterungen, weitere Zweitwohnungen sind unerwünscht.

Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die künftige Erschließung zu erhalten, gab die Vorarlberger Landesregierung dem Österreichischen Institut für Raumforschung den Auftrag zu einer „Untersuchung raumbezogener Probleme der Fremdenverkehrsentwicklung im Brandnertal“. Die Wiener Wissenschaftler prüften nicht nur die räumliche Eignung und die technischen Erfordernisse der Projekte, sondern fragten auch nach Investitions- und Umsatzerfordernissen, nach dem Bedarf an Arbeitsplätzen, Verkehrs- und Bauflächen oder nach den „zur Kostendeckung erforderlichen Skifahrern“.

Für die im Brandnertal vorgesehenen Wintersport-Anlagen brachte diese Fragestellung niederschmetternde Ergebnisse – alle Seilbahnen und Sessellift-Verbindungen sind hoffnungslos überdimensioniert. Die Eischließung des Brandnergletschers zum Beispiel müßte, um kostendeckend zu sein, einen zusätzlichen Jahresumsatz von mindestens 66,5 bis 67,5 Millionen österreichischen Schillingen einbringen. Zum Vergleich: Im Winter 1981/82 erwirtschafteten die Bergbahnen des Brandnertals 24 Millionen Umsatz. Voraussetzung für eine positive Bilanz der Gletscherbahn wäre auch, daß sie das ganze Jahr über täglich von 1400 bis 1700 Personen benutzt wird – ein illusorisches Ziel, zieht man in Betracht, daß in der vergangenen Wintersaison alle Anlagen des Tals zusammen pro Tag nur 2500 Benutzer zählten. 1300 bis 1600 zusätzliche Gästebetten und 180 bis 390 neue Arbeitsplätze wären ebenfalls nötig.