Am Sonntag bat die Friedensbewegung ihren ersten Sieg errungen. Das Auftakt-Wochenende der sieben Protesttage ist friedlich geblieben – „überraschend, wie friedlich“, heißt es in der Zentrale –, die Autonomen mußten eine Niederlage einstecken. In Nordenham wagten oder schafften sie es nicht, der Polizei eine Schlacht zu liefern, obwohl „Nordenham“ auf Drängen der Autonomen und norddeutschen Gruppen eigens einen Tag vorgezogen worden war. Autonome – ein erledigtes Problem für die Friedensbewegung?

Erleichterung war spürbar. In der Bundesrepublik steht Selbstbewußtsein, an dem es den Organisatoren der Demonstrationen nicht mangelt, allemal unter dem Verdacht, die Anarchie heraufzuführen. Dagegen hat sich die Friedensbewegung umsichtig und entschieden zur Wehr gesetzt Es ist kein Zufall, daß sie sich brav und beherrscht darstellt: Seht her, wir haben nichts Schlechtes im Sinn – wir wollen doch nur unser aller Bestes. Schroff mag die Sprache sein, die Gesinnung ist es nicht. Nur deshalb ist die Friedensbewegung breit und machtvoll, weil sie sich so versteht: als Aufstand einer ansonsten eher schweigsamen großen Minderheit.

Bremerhaven

In der Carl-Schurz-Kaserne, am Nordrand des Hafens, sind amerikanische Soldaten untergebracht. Die „Autonomen“, die den Zusammenstoß mit der Staatsmacht suchen, waren am Donnerstag, dem ersten Blockadetag, nicht sichtbar, am Freitag eine winzige, in ihrer auffälligen schwarzen Ledermontur isolierte Minderheit. Als zehn Lederjackenträger aus Berlin in der zweiten Nacht mit Gummihandschuhen auf dem Stacheldraht der Polizeiabsperrung herumtrommelten, blieben die Ordnungshüter untätig. Demonstranten drängten die schwarzen Gestalten von der Front weg.

Sonst blieb es ruhig. Am ersten Abend setzten die Polizisten beim Räumen einen Wasserwerfer ein, obwohl die Blockierer sich fast alle ohne Widerstand forttragen ließen, als die Straße für den Lastwagenverkehr in den Hafen geöffnet wurde. Nach dem Wasserwerfer-Vorfall zogen die vierhundert, fünfhundert Demonstranten ab und ließen die nördliche Zufahrtsstraße in den Hafen und zur Kaserne eine Nacht lang offen. Die geplante Nachtschicht fiel aus. „Wir haben zu wenig Leute für drei Blockaden die ganze Nacht durch“, hieß es im „Informationszelt“, wo Demonstrationsgruppen erfahren sollten, an welchem der Punkte sie wie lange die Straße versperren sollen.

Das riesige Zelt auf dem Gelände hinter der katholischen Kirche trug seinen Namen nicht zu Recht. Der Informationsfluß war spärlich: Von den Blockade-Punkten bis zu den nächsten Telephonzellen war es weit, der Kurierdienst klappte nicht, Funkgeräte gab es nicht, Gerüchte ersetzten Nachrichten.

Die nächtliche Blockade beschränkte sich auf zwei der drei Wege. Strenge Polizeikontrollen auf den Zufahrtswegen: „Ihr seid ja auch uniformiert mit euren Jeans und Ostfriesennerzen“, sagte ein Grenzschützer lachend zu dem Mädchen, das ihm einen Schluck aus der Rotweinflasche anbot. Am nächsten Mittag stritten sich die Sprecher der kleinen Demonstrantengruppen, ob man einen Verbindungsmann für Gespräche mit der Polizei brauche.