Rosarote Wochen hatte mir die Deutsche Bundesbahn versprochen, doch am Ende meiner Reise umfing mich mausgrauer Trübsinn: Ich mußte feststellen, daß ich armes Würstchen den DB-Gastronomen noch nicht einmal ein Würstchen wert war.

Frohgemut bestieg ich eines schönen Septembertages um 7.50 Uhr in Hamburg den D 785 nach Regensburg, wo meine Fahrt um 16.43 Uhr enden sollte. Selbst für ausgesprochene Zugfanatiker kann eine fast neunstündige Bahnreise auf die Dauer doch recht ermüdend wirken. Eine willkommene Abwechslung vom eintönigen Abteilsallerlei böte da der Speisewagen. Doch für eine der längsten Strecken innerhalb der Bundesrepublik war ein solcher nicht vorgesehen. Wer sich nicht ausreichend mit belegten Broten versorgt hat, muß kulinarische Abwechslung und Zuflucht in der rollenden Mini-Bar suchen.

Vom Erster-Klasse-Service, den ich in meinem komfortablen Abteil genoß, blieb bei dem dürftig ausgestatteten Bollerwagen nicht viel übrig. Dessen halbnackte Ausstattung läßt als einzig warme Alternative zum Käsebrot und Hartkeks allein Würstchen zu. Die bestellte ich hoffnungsvoll.

Der Blick des Kellners hätte nicht vernichtender sein können, wenn ich gewagt hätte, Kaviar mit Blinis zu ordern. Ich könne doch nicht erwarten, daß er meinetwegen extra eine Dose mit vier Würstchen öffnen würde, um nur eines für mich aufzuwärmen, und wer solle ihm vorher noch die restlichen drei Würstchen abkaufen? „Dafür haben Sie doch Verständnis, nicht wahr?“

Ich hatte keins. Wollte jedoch bei dem ausländischen Kellner nicht in den Verdacht des Rassismus geraten und bestellte eingeschüchtert ein Käsebrot. Kalt. Für 3,50 Mark. Und verzehrte mich nach einem Würstchen.

Dagmar Gehm