Nicht jeder ist fähig, eine Fremdsprache zu lernen

/ Von Karin Kohl

Am Vormittag habe ich den Schülern der 8. Klasse an einer Hauptschule die erste Klassenarbeit des Schuljahres zurückgegeben. Fach: Englisch. Gruppe: Grundkurs.

Wie üblich habe ich den schriftlichen Test so leicht wie möglich gestaltet. Wie üblich wären dennoch mehr als die Hälfte der Arbeiten mangelhaft ausgefallen, wenn ich nicht mit Einverständnis der Fachkonferenz den Notenspiegel angehoben hätte. Und, wie üblich, Empfingen die Schüler mit offensichtlichen Zeichen des Überdrusses ihre Zensuren: Sie wissen so gut wie ich, daß eine Vier keine Vier ist. Wer im vierten Jahr Englisch lernt und noch nicht weiß, was are heißt, wer / und it beim Lesen und Schreiben ständig verwechselt und noch von their nicht zu unterscheiden weiß, wer nicht in der Lage ist, auch nur einen kurzen Aussage- oder Fragesatz in Englisch zu formulieren, fühlt intuitiv, daß seine Leistungen nicht ausreichend sein können.

Seit acht Jahren unterrichte ich an der Hauptschule das Fach Englisch. Das macht Freude in Klasse 5, das macht auch noch Freude in Klasse 6. Das kann Freude machen in den 7. bis 10. Klassen, vorausgesetzt, man darf einen Erweiterungskurs unterrichten, in dem sich die sprachbegabteren und lernwilligeren Schüler sammeln.

Dagegen die Grundkurse. Unterricht in einer 7. Klasse, ein Vokabeltest ist angekündigt. 20 Wörter sollen übersetzt werden. Nur zwei Schüler aus der Gruppe können mehr als zehn davon übersetzen – und diese mit kreativen orthographischen Eigenwilligkeiten.

8. Klasse Grundkurs, Leseübung. Innerhalb einer einzigen Unterrichtsstunde korrigiere ich die Aussprache des Wörtchens but etwa fünfzehnmal. Das sechzehnte Mal liest Dirk but genauso verkehrt wie zu Beginn der Stunde.