Von Franz J. Jägeler

Ein anonymer Anrufer aus Kiel gab den Tip: Auf der Nobiskrug-Werft in Rendsburg arbeiten ganze Kolonnen illegal. Auch Kurzarbeiter von den Howaldtswerken-Deutsche Werft AG (HDW) aus Hamburg und Kiel seien dabei; Drahtzieher im Hintergrund: eine sogenannte Menschenhändlerfirma bei Bad Oldesloe.

Hans-Werner Kahl, Leiter des Stützpunktkommandos „gegen illegale Beschäftigung“ beim Arbeitsamt Hamburg, reagierte sofort. Bei den zuständigen Amtsgerichten in Rendsburg und Bad Oldesloe ließ er sich gleich am nächsten Tag Durchsuchungs- und Beschlagnahmungsbeschlüsse ausstellen. Dann trommelte er sein Team zusammen – acht Spezialisten, die sich seit Januar dieses Jahres ausschließlich mit dem Kampf gegen illegale Leiharbeit befassen.

Stützpunktleiter Kahl ließ an drei Stellen gleichzeitig zuschlagen: Auf der Werft in Rendsburg, im Büro des angeblichen illegalen Verleihers sowie in dessen Privathaus. Einsatzbeginn für die drei Gruppen: zehn Uhr dreißig. Die Nobiskrug-Werft nahm Kahl sich selbst vor. Mit zwei Kollegen meldete er sich beim Pförtner an, zeigte seine Papiere vor, verlangte die Geschäftsführung zu sprechen. Nach kurzem Palaver läßt man ihn zur Personalchefin vor. Kahl legt die richterlichen Beschlüsse auf den Tisch. In mühsamer Kleinarbeit durchforsten die Arbeitsamtsexperten nun Berge von Personalunterlagen, Abrechnungsbögen, Computerauszügen. Sie verhören Werftarbeiter, Meister und einige der werftfremden Arbeiter.

Fast sechs Stunden dauert die Aktion. Doch am Ende hat sich der Aufwand gelohnt, „Das Ergebnis“, so Einsatzleiter Kahl, „übertraf alle Vermutungen.“ Nicht nur die Akten, auch die Verhöre beweisen für ihn eindeutig: Verstoß gegen Artikel eins des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Dort heißt es: „Wer Arbeitskräfte über eine Verleihfirma beschäftigt, die keine Erlaubnis für ihre Vermittlungstätigkeit hat, macht sich strafbar.“

Zwischen 50 000 und 100 000 Mark hat die Werft wöchentlich an die illegale Verleihfirma gezahlt. Bis zu hundert Schweißer und Schlosser täglich waren auf dem Werftgelände illegal im Einsatz.