F. J. Strauß hat entdeckt, warum viel mehr Menschen gegen die Stationierung der Pershing II demonstrieren als dafür, obwohl die Befürworter in der Mehrzahl sind. Das sind eben die von der „schweigenden Mehrheit“, und Strauß hat, vermutlich durch spontane Stichproben, festgestellt, warum ihre Anhänger schweigen. Sie schlafen! während die hellwachen Friedenskämpfer schon früh auf den Beinen sind, um Friedensketten zu bilden, räkeln sich die Nachrüstungsverfechter noch friedlich in ihren Betten.

Strauß forderte sie soeben auf, aus ihrem Schlaf zu erwachen, Farbe zu bekennen und Flagge zu zeigen, für so manche Schlafmütze ein bißchen viel auf einmal. Die Sache ist es aber wert, sonst behalten nämlich jene die Oberhand, „die die Europäer in den Neutralismus drängen wollen“ und den Weg öffnen zum „Inferno des III. Weltkrieges“.

Um Strauß dabei zu helfen, die müden Krieger um den Schlaf zu bringen, rufen wir, unter dem Slogan „10 000 Friedensnächte“ (entspricht etwa 30 Jahren), zu einem Weckdienst auf. Da kann jeder mitmachen, der einen Menschen kennt, der die Pershing II für ein besonders wirksames Schlafmittel hält. Den gilt es fortan gnadenlos aus seinem Tiefschlaf zu reißen.

Unser erster Testanruf galt kurz nach Mitternacht Freund Bernd.

„Hallo! Hallo! Wer ist denn da? Was soll denn das?“ murmelte er schlaftrunken.

Als wir uns zu erkennen gaben, grollte er: „Und was willst du von mir, mitten in der Nacht?“

„Nur einmal feststellen, ob du schläfst.“