Gemessen an den vielen Nachrichten, die er für die vielen Medien hergibt, ist Flick – wirtschaftlich gesehen – alles andere als Spitze: Mit etwas mehr als neun Milliarden Mark Umsatz belegte der Konzern 1982 lediglich Platz 28 in der Rangskala der größten deutschen Unternehmen. Die Maschinenbaugruppe Gutehoffnungshütte war doppelt, Thyssen dreimal und VW gar viermal so groß.

Doch nicht erst seit 1981, als die dubiosen Millionenzuwendungen bekannt wurden, geht von dem Namen Flick eine besondere Faszination aus. Kein anderes Großunternehmen, ausgenommen vielleicht Krupp, verstand es besser, das Interesse der Öffentlichkeit immer wieder auf sich zu lenken. Da gab es nahezu alles, was Schlagzeilen machte: trickreich ausgeführte Börsenmanöver, spektakuläre Firmentransaktionen, handfeste Managerkräche, Familienstreitigkeiten in Dallas-Manier und sogar einen erbittert geführten Vater-Sohn-Prozeß.

Flick war und ist anders als andere Familienkonzerne. Denn Friedrich Flick, der 1972 mit 89 Jahren gestorbene Gründer des größten von einer einzigen Familie beherrschten deutschen Industrie-Imperiums, war aus ganz anderem Holz als die übrigen Schöpfer weithin bekannter Wirtschaftsvermögen. Er startete nicht, wie die Industriepioniere des vorigen Jahrhunderts vom Schlage Bosch oder Siemens, mit einer bahnbrechenden Erfindung: Keine der produzierenden Firmen trug seinen Namen, nicht eine hatte er selber aufgebaut. Was ihn befähigte, war sein Talent, mit sicherem Instinkt Wachstums- und ertragsstarke Firmengebilde zu errichten und diese ständig zu erneuern. Flick war kein Börsenspekulant des schnellen Geldes: die Aktie war für ihn lediglich ein abstraktes Hilfsmittel, mit dem er seine oft um drei Ecken gedachten industriellen Strategien realisierte.

Die Arbeitsweise dieses als „Genie der Geräuschlosigkeit“ charakterisierten Konzernherrn prägte auch sein Bild in der Öffentlichkeit: verschwiegen, undurchschaubar, mit seinen heruntergezogenen Mundwinkeln für seine Kritiker die Inkarnation des menschenverachtenden Kapitalisten, war er schon zu Lebzeiten Legende. Er hinterließ ein ansehnliches Erbe:

  • die Düsseldorfer Feldmühle AG, Deutschlands führenden Papierhersteller;
  • die Chemiefirma Dynamit-Nobel und
  • die Gruppe Buderus mit dem Rüstungs- und Maschinenproduzenten Krauss-Maffei, bekannt vor allem durch den Kampfpanzer „Leopard“.

Seine wertvollste Hinterlassenschaft, die 39prozentige Beteiligung am Automobilkonzern Daimler-Benz, stießen die Verwalter 1975 bis auf zehn Prozent an die Deutsche Bank ab. Aus dem Erlös kauften sie sich in den US-Chemiekonzern Grace & Co. und beim Kölner Industrieversicherer Gerling ein.

Sein Gesellenstück hatte der als Sohn eines kleinen Siegerländer Bauern und Holzhändlers vor genau hundert Jahren geborene Friedrich Flick mit dem Erwerb eines Aktienpakets der Charlottenhütte in Niederschelden geliefert, den er zum Teil aus der Mitgift seiner Ehefrau Marie finanzierte. Als er zur Absicherung seiner Kohlebasis an die Ruhr vordringen wollte, versperrten ihm die arrivierten Montanherren unter Führung von August Thyssen den Weg. Flick wählte den Umweg über Oberschlesien, wo er Anfang der zwanziger Jahre durch geschickte Börsenmanöver einen ausgedehnten Zechen- und Hüttenbesitz unter seine Kontrolle brachte.