Es war die einfachste Lösung: „Wir wohnen auf dem Land, ohne Telephon, der nächste Fernsprechautomat ist weit entfernt. Unser Kind war krank. Den Arzt konnten wir nur so benachrichtigen, daß ich einen Funkkollegen anfunkte, der mit seinem Telephon Hilfe herbeirief.“ Mit diesen dürren Worten klagte der Funker Nr. 12.25 einem Mitarbeiter der ungarischen Konsumentenzeitschrift Nagyito sein Leid – per Funk.

Es ist ein Leid, das den meisten Bürgern jenseits des Eisernen Vorhangs, ob sie nun polnisch, russisch oder rumänisch sprechen, gleichermaßen vertraut ist: Das Telephonnetz in den Ostblock-Staaten ist mehr als nur lückenhaft.

Doch die pfiffigen Ungarn wissen sich zu helfen. Über 25 000 Magyaren bedienen sich bereits der drahtlosen Vorzüge des für kurze Distanzen geeigneten CB-Funks (Citizen Band). In den Vereinigten Staaten ist das Citizen-Band-Gerät aus keinem der riesigen Lastwagen wegzudenken, deren Fahrer sich über die schnurgerade Langeweile der amerikanischen Autobahnen hinwegzufunken versuchen. Im kleinflächigen Europa wiederum ist der Kreis der CB-Funker auf einige wenige Elektronik- und Autoenthusiasten beschränkt geblieben. Nicht so in Ungarn, wo das weitmaschige Kommunikationsnetz – auf hundert Einwohner kommen gerade dreizehn Telephon-Anschlüsse – die Verwendung von kleinen Funkgeräten geradezu erzwingt.

Nicht viel besser als in Ungarn ist das Telephonnetz in den sozialistischen Nachbarländern. Die Bulgaren müssen mit vierzehn, die Tschechen mit 20,6 Anschlüssen je hundert Einwohner auskommen. Und mit neunzehn Anschlüssen je hundert Einwohner ist die Telephondichte in der DDR halb so groß wie in der Bundesrepublik (Ende 1982 kamen auf hundert Bundesbürger 37,4 Hauptanschlüsse beziehungsweise 50,9 Sprechstellen).

Überdies müssen in den meisten Ostblockländern Gespräche nach und von der Provinz noch manuell vermittelt werden. Direkt in das internationale Netz eingeschaltet sind nur große Städte Zählen die DDR und die Tschechoslowakei zu den fortgeschrittenen Staaten des sozialistischen Lagers, was das Kommunikationsnetz betrifft, so liegen Rumänien und die Sowjetunion am Ende der roten Telephonparade.

Allerdings kömmt die Verbindung zwischen dem Ausland und rumänischen Kleinstädten meist schon nach wenigen Stunden zustande; in der Sowjetunion dauert dieses Wunder freilich etwas länger. Einem bulgarischen Ingenieur, der die Familie seiner russischen Frau im fernen Georgien besuchte und seinen Kindern die glückliche Ankunft vom dörflichen Postamt aus mitteilen wollte, wurde beschieden, er solle am nächsten Tag wiederkommen. Tags darauf empfing ihn eine strahlende Postbeamtin: „Es ist mir gelungen, eine Leitung zu ergattern – in zwei Wochen!“ Die enttäuschte Antwort des Bulgaren, daß er dann ohnehin wieder zu Hause sei, wollte die Russin partout nicht verstehen: „Warum wollten Sie dann überhaupt telephonieren?“