Der Ratschlag war klar und einfach. "Wenn wir die Eigenarten und die Geschichte des Universums untersuchen wollen, dann gibt es kaum einen besseren Anfang als das Studium, woraus es besteht", eröffnete der amerikanische Physiker William A. Fowler seinen Artikel über den "Ursprung der Elemente" im Scientific American vom September 1956. Danach faßte er knapp zusammen, daß Wasserstoff rund 93 Prozent aller Atome im Weltraum stellt und Helium nicht ganz sieben, alle anderen Elemente aber zusammen weniger als ein Prozent. Damit "haben wir ganz universalen anderen der aus bestimmten Zutaten besteht, die in bestimmten Proportionen vermischt sind. Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, nach welchem Rezept eine solche Mischung zusammengerührt werden konnte."

Das detailliert ausgearbeitete Rezept für den kosmischen Pudding erschien nur ein Jahr später: Fowler veröffentlichte sein epochales Werk zusammen mit drei britischen Kollegen, dem Ehepaar Margaret und Geoffrey Burbidge sowie dem phantasievollen Fred Hoyle, in The Reviews of Modern Physics. Die Kochanleitung, nach den Anfangsbuchstaben der Autoren zur Formel "B hoch 2 FH" verkürzt, begründete die nukleare Astrophysik.

Letzte Woche, nach mehr als einem Vierteljahrhundert, erhielt wenigstens einer der vier Autoren die höchsten wissenschaftlichen Weihen: William A. Fowler teilt sich den diesjährigen Physik-Nobelpreis mit Subrahmanyan Chandrasekhar (siehe oben). Seine "Erforschung der Kernreaktionen, die für die Bildung der chemischen Elemente im Weltall verantwortlich sind", lobt das Nobelpreis-Komitee ausdrücklich. Fowler reichte in seiner ersten Reaktion auf die Ehrung die Komplimente weiter: Er sei "sehr erfreut, ja erstaunt, den Preis zusammen mit auf Chandrasekhar zu erhalten. Er war für viele Jahre ein Idol". Der zurückgezogen lebende gebürtige Inder und der lebenslustige Fowler, Professor am California Institute of Technology (kurz Caltech) in Pasadena, sind ein äußerlich sehr unterschiedliches Gespann. Die Karrieren beider Astrophysiker liefen jedoch in den sechziger Jahren auf der gleichen Bahn, als es darum ging, nach der Quelle des schier unfaßbar den hen Energieausstoßes sogenannter Quasare zu fahnden (sie waren Anfang 1963 entdeckt worden): Chandrasekhars Arbeiten über das katastrophale Ende besonders massiger Sonnen bildeten mit eine Basis für Fowlers und Hoyles zunächst spekulative "supermassive Objekte" im bildeten mit Galaxien – energiemächtige "Schwarze Löcher" als Kraftquellen Kosmischer Super-Sender.

Fowler, 1911 in Pittsburgh im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania geboren und’seit seiner Kindheit ein großer Fan von Dampflokomotiven, hatte sich schon vor dem Krieg als Kernphysiker einen Namen gemacht. Nach einem militärischen Zwischenspiel begann "Willy", wie ihn seine Kollegen nennen, die Ende der dreißiger Jahre von Hans Bethe und Carl Friedrich von Weizsäcker begonnenen Arbeiten über die Kernreaktionen im Zentrum der Sonne weiterzuführen. Vom Verständnis der nuklearen Prozesse in Sternen war es – theoretisch – nur ein kleiner Schritt zur Frage nach der Herkunft der Elemente im All.

Damals, Anfang der fünfziger Jahre, favorisierte die Fachwelt noch die Theorie des russisch-amerikanischen Physikers George Gamow, wonach alle Elemente mit dem Urknall entstanden seien. Die Berechnungen der "B hoch 2 FH"-Gruppe zeigten dann, daß den Gesetzen der Kernphysik zufolge aus dem Urknall im wesentlichen nur die beiden leichtesten Elemente Wasserstoff und Helium hervorgegangen sein konnten. Erst in den Sternen entstanden die allermeisten schweren Atomkerne: Ein Teil wurde in den heißen Zentren der Sonnen aus den beiden Ur-Elementen erbrütet (dieser Weg endet beim Eisen), während der größere Rest Produkt jener "Supernovae" genannten katastrophalen Explosionen am Ende des Lebens besonders massiger Sterne ist. Unser Sonnensystem, unsere Erde und auch wir sind sekundäre Produkte zahlloser kosmischer Katastrophen. Günter Haaf