Die Planer des Wohnungsbaus mußten irren. Sie konnten nicht ahnen, daß die Alten nicht mehr in Heime und die Jungen weg von den Eltern wollten. So entstand auf einmal ein ungeheurer Bedarf an Ein- bis Dreizimmerwohnungen. Unabhängigkeit wird gesucht.

„Wollen wir unseren Winterurlaub planen?“ – „Jetzt schon. Du spinnst wohl. Wie soll ich jetzt schon wissen, worauf ich im Februar Bock habe.“ Planen ist so spießig. Unabhängigkeit wird gesucht.

Die Kinder erinnern sich wohl, was für schreckliche Kinder sie einmal waren. Es ist ja so lange noch nicht her. Sollten sie selber sich so was aufladen und dann womöglich wie ihre Eltern werden? Nein, sie wollen lieber keine Kinder. Unabhängigkeit wird gesucht.

Warum denn nicht? Das klingt ja alles ganz vernünftig, ein bißchen zu vernünftig. Aber es ist gesollt, in Deutschland immer, daß die Vernunft nicht überhandnimmt.

Meistens fängt es ganz harmlos an, zum Beispiel mit einer Zimmerpalme. Ein Freund brachte sie mit zur Fete. Endlich eine eigene Wohnung gefunden, das mußte gefeiert werden.

Drei Jahre später hat die Palme nicht nur eigene Junge gekriegt. Da stehen jetzt fünf Palmen. Unter ihnen erfreuen sich Phoenix und Yucca besonderer Beliebtheit. Aber auch Araukarien haben sich dazu gesellt und wuchernder Philodendron.

Cissus gedeiht prächtig und ganz gewöhnlicher Efeu, der sich freilich nach Freiluft sehnt und schwer durchzubringen ist in einer Wohnung. Kakteen haben sich eingefunden. Auch dem Lorbeer wird seine Vergangenheit als Siegerkranz nicht nachgetragen. Sogar der Gummibaum gewinnt in solcher Umgebung eine neue Unschuld.