Amerikanische Treppen, unterstützt von 300 Soldaten aus sechs ostkaribischen Kleinstaaten, sind am Dienstag auf der Insel Grenada gelandet – sechs Tage nach einem gewaltsamen Putsch, der einen „Militärischen Revolutionsrat“ an die Macht brachte.

Die Landung der etwa 1900 marines und 700 rangers begann um 5.40 Uhr mitteleuropäischer Zeit an zwei Abschnitten im Norden und im Süden der kleinen Insel (etwa doppelt so groß wie die amerikanische Hauptstadt Washington) mit rund 110 000 Einwohnern. Festgesetzt wurden 30 sowjetische und 50 kubanische Militärberater; drei Amerikaner und drei Gegner kamen in den ersten Stunden ums Leben.

Präsident Reagan begründete am Dienstag in Gegenwart der Ministerpräsidentin von Dominica, Eugenia Charles, das Eingreifen mit der Sicherheit amerikanischer Staatsbürger – gut tausend Amerikaner leben auf der Insel – und mit dem Wunsch, dort die Ordnung und die Demokratie wiederherzustellen. Die Vereinigten Staaten hätten im vollen Einverständnis mit Antigua, Barbados, Dominica, Jamaika, Sta. Lucia und St. Vincent gehandelt, gestützt auf die Charta der Organisation ostkaribischer Staaten CARICOM.

Was den Präsidenten wirklich bewogen hat, gab er in seiner Charakterisierung der Putschisten zu erkennen: „eine brutale Gruppe linker Strolche“. Eugenia Charles sekundierte: „Hinter dem Putsch stecken Kuba und die Sowjetunion.“ Die sechs mitstreitenden Staaten und Trinidad/Tobago, alle anglophon, hatten am Wochenende eine wirtschaftliche Quarantäne über das – ebenfalls englischsprachige – Grenada verhängt.

Grenada ist seit längerem den Amerikanern ein Dorn im Auge, besonders wegen des neuen Großflughafens. Die linke Regierung Bishop bezeichnete ihn als nötig, um den versiegten Tourismus wieder anzukurbeln; Washington vermutete darin (und in gleichzeitig ausgeführten Hafenarbeiten) einen kubanisch-sowjetischen Stützpunkt, etwa für den Langstreckenflug von Kuba nach Angola.

Doch Maurice Bishop hatte nach seinem erfolgreichen Putsch von 1979 zwar einen Linkskurs eingeschlagen, sich aber eben nicht als linientreuer Marxist erwiesen. Dagegen regte sich seit längerer Zeit widerstand im „New Jewel Movement“. Die offenen Flügelkämpfe zwischen Bishop und seinem Stellvertreter Bernard Coard brachen Anfane Oktober aus. als Bishoo über Wahlen nachdachte – auch mit dem Zweck, seine gesunkene Popularität aufzufrischen.

Coard gewann die Mehrheit im Parteivorstand und setzte Bishop fest. Aufgebrachte Anhänger erzwangen seine Freilassung, Bishop ging zum Gegenangriff über und versuchte, das militärische Hauptquartier einzunehmen. Bei dem Gerecht wurden er und mehrere Getreue – drei Minister und zwei Gewerkschaftsführer – festgenommen und später, am Mittwoch voriger Woche, exekutiert.