„Einstieg in den Ausstieg. Alternativen zur etablierten Wirtschaftspolitik.“ Von Reinhard Pfriem. Econ-Verlag, Düsseldorf 1983, 224 Seiten, 24 DM.

Die Ökonomie ist tot; es lebe die Ökologie, es lebe die neue Wirtschaftspolitik. Es ist wohl immer noch Erich Fromm, der die Position, aus der heraus in diesem Buch argumentiert wird, am besten und klarsten umrissen hat. Sein Alterswerk „Haben oder Sein“ wurde Ende der siebziger Jahre zu einem Kultbuch insbesondere der jungen Generation; auch heute noch hat dieser ewige Bestseller vor allem in der linken Szene nur wenig von seiner Faszination eingebüßt. dieser auch wer sich dem Sog dieser über weite Strecken berechtigten Kritik an der Wohlstands- und Habengesellschaft, in der wir leben, nicht Strecken kann bei dieser radikalen Gegenüberstellung von Haben und Sein ein Gefühl des Unbehagens nicht unterdrücken.

Für Fromm ist Sein das Gute, Haben das Böse. Aber ein bißchen Habenwollen ist ja nicht nur menschlich – allzumenschlich. Wenngleich nicht zu übersehen und zu beklagen ist, daß in unserer bürgerlichen Besitzgesellschaft das Materielle ein fatales Übergewicht bekommen hat, so gehört doch das Haben, neben dem Sein, zu den Wesenszügen menschlicher Existenz. Auf das Gleichgewicht kommt es an. Es geht nicht um Haben oder Sein; es geht um Haben und Sein.

„Einstieg in den Ausstieg“ – Reinhard Pfriem, Autor dieses Buches, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und an der Gesamthochschule Wuppertal, Mitwirkender an verschiedenen grünen Papieren, die sich mit Wirtschaftspolitik befassen, hat seinen Fromm nicht nur gelesen, sondern auch verinnerlicht. Was sich bei Fromm als Alternative von Haben oder Sein darstellt, ist bei Pfriem Markt, Konkurrenz und Wachstum auf der einen, menschliche Bedürfnisse, Solidarität und Umwelt auf der anderen Seite,

Die „Aufhebung der Ökonomie“, die „Anti-Ökonomie“, für die in diesem Buch plädiert wird, ist Teil einer „Vernetzung, die sich nicht nur dem Prinzip Ökonomie entzieht, sondern auch der politischen Verfaßtheit der repräsentativen Demokratie“. Hauptangriffsziel „ist der spezielle Typ bundesdeutscher Demokratie, der Formen direkter Demokratie weitgehend untersagt“.

Es ist also ein durch und durch grünes Buch, das auch und gerade denjenigen, der die vierte Partei für eine Bereicherung des Bundestages und der Länderparlamente hält, enttäuschen muß. Auf wirtschaftspolitischem Gebiet jedenfalls haben die Grünen immer noch nichts Brauch- und Realisierbares anzubieten.

Gewiß, nicht alle menschlichen Bedürfnisse lassen sich über den Markt befriedigen. Aber allen Fehlsteuerungen zum Trotz ist die Nachfrage über den Markt auf vielen Teilgebieten wohl immer noch der verläßlichste Indikator für das, was im gesamtwirtschaftlichen Interesse produziert werden soll.