Von Klaus Viedebantt

Sie unterscheiden sich um 150 Millimeter und wollen sich in der ganzen Welt messen. Sie haben bereits einige Jahre auf dem Buckel, sind nun etwas rundlicher geworden, haben aber dennoch an Spritzigkeit und Ansehnlichkeit gewonnen: Volkswagens „Golf“ und Toyotas „Corolla“.

Beide sind Weltbestseller. Von dem Wagen des deutschen Volkes wurden seit 1974 mehr als sechs Millionen Exemplare gebaut, das von Toyota als „japanisches Volks-Auto apostrophierte Modell hat es seit 1966 auf mehr als zehn Millionen Exemplare gebracht. Beide Autos sind von enormer Bedeutung für die Wirtschaft dieser Exportnationen, denn von ihnen hängt das Wohl und Weh der jeweils größten Automobilfabrik des Landes ab. Japan ist der weltgrößte Automobilbauer der Welt, die Bundesrepublik Deutschland ist in dieser milliardenträchtigen Hitliste hinter den USA die Nummer 3.

Das alles erreicht man natürlich nicht, indem man seine Autos nur den lieben Landsleuten andient. Golf und Corolla sind zwar Renner auf ihren Heimatmärkten, doch die Millionenzahlen wachsen in fremden Ländern. Im Export mußten aber sowohl die Manager in Wolfsburg wie in Toyota-City erhebliche Wachstumsstörungen registrieren. Der „Rabbit“, so der US-Name für den Golf, wollte nicht mehr so recht hoppeln, und sein japanisches Gegenstück wurde seinen Lorbeeren (Corollarium = künstlicher Kranz, oft aus Edelmetall) auch nicht mehr gerecht. Seit Beginn der achtziger Jahre rutschten die Exportziffern für den Japaner von rund 500 000 auf nur 350 000 Wagen ab.

Die Firmen reagierten nach bewährter Weise mit einer neuen Generation desselben Fahrzeugs; auffallend war, wie schnell beide angesichts jahrelanger Planungszeiten mit Neubauten zur Stelle waren. Gebrannte Kinder. Beide hatten mit ihrem Brot-und-Butter-Auto schon Krisen hinter sich, die ans Eingemachte gingen.

Volkswagen hat sich Jahrzehnte auf seinen „Käfer“ verlassen – Jahre zu lang. Der Nachfahre des KdF-Wagens wurde zwar mit 22 Millionen Stück das meistgebaute Auto der Welt (es läuft heute noch in Mexiko und Brasilien vom Band), aber in Deutschland und im technisch anspruchsvollen Ausland war das Vorkriegsauto kaum noch gefragt. Der Riesenkonzern am Ostrand der Bundesrepublik war Anfang der siebziger Jahre sichtlich angeschlagen, kam aber mit einem Fahrzeug aus der Grube, das wieder Automobilgeschichte machen sollte. „Golf-Klasse“ nannte man fortan die Gruppe kompakter, moderner Fahrzeuge der unteren Mittelklasse.

Der Golf wurde oft kopiert und viel gekauft. Wolfsburg erblühte wieder und möbelte seine gesamte Autopalette auf, vom kleinen „Polo“ bis zum großen „Santana“. Die VW-Verkäufer fühlten sich allerdings wie vermöbelt. Nur wenige wollten die Neuen. Der pfiffige „Polo“ wurde wegen seines Kombi-Hecks als „Zwergenlaster“ verspottet, der „Santana“ wird auf Grund seines wenig gelungenen Hinterteils als „hochärschig“ geschmäht und als Auto verschmäht. Der „Scirocco“, einst von seinen zahlreichen Fahrern als fastitalienisches Coupé gepriesen, wird nach der Überarbeitung als „Pummel mit Spoiler“ verrissen.