Ohne Gleichschritt, doch gleichen Sinnes wollen die Jesuiten auch unter ihrem neuen General auf der alten weltoffenen Marschroute in „Hoffnung und Kontinuität“ weitergehen.

Obwohl schon drei Päpste Kurskorrekturen gewünscht hatten, hat das Ordensparlament in sieben Wochen langer Diskussion in Rom die Ergebnisse der vorangegangenen Zusammenkünfte dieser Generalkongregation (1965 und 1974) nur „überprüft, genau erläutert und bekräftigt“. So formuliert das nicht sehr umfangreiche Schlußdokument, das Anfang der Woche in Rom bekannt wurde. Johannes Paul II, hatte allerdings der Debatte volle Freiheit gelassen und auch hinnehmen müssen, daß die Delegierten mit über 70 Prozent der Stimmen mit dem 55jährigen Holländer Peter-Hans Kolvenbach einen Ordensgeneral wählten, der nicht zu den Wunschkandidaten des Papstes gehört hatte. Mit Berufung auf seinen vom Papst entmachteten Vorgänger Arrupe bekannte sich Kolvenbach zur „Lebens- und Leidenssolidarität mit den Armen und Leidenden“ und betonte, daß dabei für Jesuiten „kein bestimmtes Modell“ vorgeschrieben und „keine Lebens- und Arbeitssituation“ ausgeschlossen sei.

Daher beschreibt nun das Schlußdokument den Vorrang sozialen Einsatzes – bei sorgsamer Wahrung der religiös-geistlichen Identität – genauso generalisierend, wie auch die päpstlichen Ermahnungen stets ganz allgemein formuliert waren. Denn wie die Bischofssynode in Rom, bleiben auch die Jesuiten einer weltweiten Vielfalt von Situationen ausgesetzt. Diese erlauben nur wenige einheitlich vorgeschriebene Verhaltensmuster.

Sogar der oft schwierige Begriff des Gehorsams gegenüber dem römischen Pontifex verliert seine Schärfe, wenn etwa – wie in China oder Vietnam – alle Jesuiten als „Bande des Papstes“ eingekerkert sind. Daß sich der Orden für die Menschenrechte einsetzen soll, „wo diese von tyrannischen Regierungen mit Füßen getreten werden“, erschien der Generalkongregation gleichwohl all zu konkret und zu ungenau formuliert: Mit Mehrheit entschied sie, das Wort „tyrannisch“ zu streichen, denn Mord, Folter und Diskriminierung gäbe es auch unter Regierungen, „die sich demokratisch nennen“.

Der atheistische Materialismus von Wohlstandsgesellschaften macht es hingegen einem solchen Eliteorden auf andere Weise schwer auch mit dem eigenen Armutszeugnis. Die Grenze zwischen Seelsorge und Politik bleibt allemal so fließend, daß sie selten überschritten werden muß. Auch künftig wird freilich der Papst mehr als die Jesuiten selbst befürchten, daß sie dabei „verweltlichen“.

Hans jakob Stehle (Rom)