Nach den blutigen Angriffen auf die Quartiere der amerikanischen und französischen Soldaten in Beirat fürchten die Angehörigen der multinationalen Friedenstruppe neue Anschläge eines Gegners, über dessen Identität keine Klarheit besteht.

Die Anschläge gegen die Amerikaner und Franzosen reihen sich in eine lange Kette ähnlicher blutiger Ereignisse in Beirut ein, mit einem Unterschied: Die präzise Koordination zweier Anschläge ist ungewöhnlich. Nur 20 Sekunden lagen zwischen den beiden Detonationen am frühen Sonntagmorgen, deren erste das Hochhaus am Beiruter Flughafen sprengte, das den amerikanischen Marineinfanteristen als Hauptquartier diente; das fünf Kilometer entfernte Quartier der französischen Fallschirmjäger wurde auf genau die gleiche Weise zerstört: In beiden Fällen rasten Lastwagen mit hoher Geschwindigkeit durch die Eingänge; die Fahrer zündeten ihre Bomben mitten im Erdgeschoß der Gebäude. Damit war ihr eigener Tod noch sicherer als der vieler Soldaten. In den Trümmern des amerikanischen Hauptquartiers starben über 200 Soldaten. Die Franzosen verzeichneten etwa 50 Tote, sämtlich Wehrpflichtige.

Zu den Anschlägen bekannte sich eine Gruppe mit dem bis dahin unbekannten Namen „Freie Islamische Revolution“, die gegenüber libanesischen Zeitungen ihre Absicht bekundete, das Land zu einem zweiten Vietnam zu machen, wenn die ausländischen Truppen nicht abzögen. Die Gegner des von Amerikanern und Franzosen unterstützten maronitischen Präsidenten Gemayel bestritten alle, mit dem Anschlag zu tun zu haben. Die Regierungen Syriens und des Irans, die von Sprechern in Washington verdächtigt wurden, wiesen den Vorwurf schnell zurück.

Der Pariser Canard enchaîné, der schon oft als erste Zeitung veröffentlichte, was offizielle französische Stellen nicht mitteilen wollten, berichtete zwei Tage nach dem Attentat über eine konkrete Spur: Oppositionelle iranische Offiziere hätten schon vor einigen Wochen französische Stellen davor gewarnt, daß ein Terroristen-Kommando aus Teheran nach Beirut unterwegs sei, um Anschläge gegen die Franzosen zu unternehmen. Aus Paris seien auch die Amerikaner informiert worden, und die Franzosen hätten den Schutz für alle ihre Einrichtungen im Libanon verstärkt – ohne damit zu rechnen, daß die Abgesandten der schiitischen Revolution ausgerechnet die Friedenstruppe ins Visier nehmen würden. HJG