„Stillstand kennen wir nicht mehr, auf dem deutschen Markt gibt es nur noch Bewegung“, sagt Esso-Sprecher Thomas Ukert zu den Benzinpreisen. Seit April versuchen die Ölgesellschaften das ständige Bröckeln der Spritpreise mit immer neuen Preiserhöhungen auszugleichen. Die jüngste Preiserhöhungsrunde, die von der Deutschen Shell AG am Montag mit Aufschlägen von drei Pfennig für Normalbenzin und Diesel sowie zwei Pfennig für Super eröffnet worden ist, folgte knapp vier Wochen auf die vorangegangene.

Wie in einer Springprozession gingen die Benzinpreise drei Schritte vor und zwei zurück: In sieben Monaten haben die Ölfirmen dreizehnmal die Preise für Treibstoffe erhöht, meistens um zwei oder drei Pfennig pro Liter. Geblieben sind ihnen davon unter dem Strich insgesamt rund 21 Pfennig je Liter, den Rest haben der Wettbewerb, das reichliche Angebot und der schwankende Dollarkurs immer wieder zunichte gemacht.

Auch diesmal stehen die Chancen nicht schlecht, daß die höheren Preise nur ein paar Wochen halten. Die Nachfrage geht zurück, weil die Hauptreisezeit vorüber ist, das Ölangebot ist unverändert reichlich und der Dollar tendenziell schwächer.

Obwohl sich die Ruhrkohle und Saarbergwerke noch nicht einig sind, wo denn die eine Kohleverflüssigungsanlage gebaut werden soll, die Bonn allenfalls zu fördern bereit ist, macht sich Saarberg-Chef Rudolf Lenhartz schon Gedanken darüber, wie denn das Produkt dieser Verflüssigungsanlage an den Mann zu bringen sei. Da Kohlebenzin nach heutigem Erkenntnisstand trotz öffentlicher Investitionszuschüsse erheblich teurer sein wird als Benzin aus Rohöl, versucht Lenhartz die Verkaufsförderung über die Qualität. Kohlebenzin habe, so dozierte er, eine hohe Oktanzahl und eigne sich deshalb in der bevorstehenden bleifreien Zeit hervorragend dazu, die herkömmlichen Treibstoffe zu verbessern.

Dem Saarberg-Chef schwebt wohl so etwas wie ein Beimischungszwang vor, der die Absatzprobleme für Kohlebenzin mit einem Schlage lösen und den Subventionsaufwand für den Betrieb einer Hydrieranlage verringern würde. Freilich ist Kohlebenzin nicht die einzig denkbare „Klopfbremse“, es gibt schon lange Produkte, die diesen Zweck auch erfüllen und überdies den Vorzug haben, deutlich billiger zu sein als Kohlebenzin.

Im übrigen ist in der Mineralölbranche umstritten, ob Kohlebenzin wirklich die von Lenhartz so gepriesenen hohen Oktanzahlen hat. Während die Saarberg-Experten die Meinung ihres Chefs untermauern, hört man aus Bottrop, wo Vebaoel und Ruhrkohle gemeinsam eine Versuchsanlage zur Herstellung von Kohleöl betreiben, Kohlebenzin sei auch nicht besser als Sprit auf Rohölbasis.

Die Kupferhütte ist tot. Es lebe die Eisenhütte. Als die einst berühmte Duisburger Kupferhütte im März dieses Jahres ihren Betrieb einstellte, sämtliche Anlagen zur Kupfer-, Gold- und Silbergewinnung stillegte und 2000 Arbeiter ihren Job verloren, ließ der Eigentümer des toten Riesen, der britische Rio-Tinto-Konzern, ein eher artfremdes Nebenwerk weiterlaufen: einen kleinen Hochofen, der aus dem sogenannten Purpurerz, den Rückständen aus dem Prozeß der Kupfergewinnung, Gießerei-Roheisen gewann.