Generationen von Schülern kennen seinen Namen, sind in seinen Büchern erstmals auf Reisen in ferne Welten gegangen, immer mit dem Finger auf der Landkarte: Diercke. Der Schul-Atlas, der bis heute seinen Namen trägt, ist in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden und hat eine Gesamtauflage von mehr als 12 Millionen Exemplaren. Das ist ein Erfolg, der 1883 wohl ebensowenig vorauszusagen war wie unser heutiger Millionenaufbruch in die alljährlichen Ferien. Viele unserer lässigen Weltenbummler mit Pauschalarrangement erinnern sich noch an das grüne oder braune Buch, das ihnen einst die Welt eröffnete – nicht selten war es das einzige Lehrbuch, das auch nach den Schulstunden wieder freiwillig aus dem Ranzen gezogen wurde, um das Fernweh ein wenig zu mildern.

Carl Diercke, 1842 in Kyritz (Mark Brandenburg) geboren, wurde Lehrer – eine pädagogische Karriere, die mit dem Titel eines Geheimen Regierungsrats endete. Der Braunschweiger Verleger Georg Westermann lernte den Beamten kennen, als dieser am Lehrerseminar in Stade Atlanten für den Schulunterricht begutachtete. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit und der erste „Diercke“, der bald den Standard für Atlanten bestimmte: ein fast quadratisches Werk von 46 Seiten. Es fehlte nicht an Lob, aber es gab auch einen Tadel: Das aus karthographischen Gründen sehr breite Buch paßte in keinen Schulranzen. Als Jungverleger Friedrich Westermann deshalb das Format in die heutige schmalhohe Form änderte, ebnete er damit endgültig den Weg für den „Atlas des Jahrhunderts“.