Ein bunter Reigen hat sich zusammengefunden: Bayerns waldreichste Kommune Augsburg, ein Professoren-Ehepaar aus der Nahe von Köln, ein Waldbesitzer aus Bayern, zwei forstwirtschaftliche Betriebe aus dem Süddeutschen. Sie alle klagen – oder wollen klagen – gegen die Bundesrepublik Deutschland, weil sie nicht das technisch Mögliche und wissenschaftlich Gebotene unternehme, um den Sauren Regen zu stoppen und das Sterben der Wälder zu verhindern. So bunt die Reihe der Kläger, so unterschiedlich ihre Begründungen und Eigeninteressen, so ungewiß auch, ob eine der Klagen zum Erfolg führen wird.

Allen gemeinsam ist freilich der Ärger über eine Politik, die das Notwendige wohl kennt, aber nicht tut, weil sie den Widerstand derer scheut, die für saubere Luft zahlen müßten. Das sind nicht gerade die einflußlosesten Kreise, und in der Mehrzahl solche, die von der Wende mehr Handlungsspielraum, aber nicht mehr Verbote erwartet haben. Doch wenn das sich beschleunigende Waldsterben anhalten darf, nur um Teile der Wirtschaft nicht zu verprellen, stellt sich natürlich die Frage, ob die „Koalition der Mitte“ überhaupt die Kraft besitzt, eine Wende zu vollziehen.

Man muß die „neuartigen Waldschäden“ nicht für den Beginn einer ökologischen Katastrophe halten. Dann sollten Minister aber nicht vollmundig die Rettung des Waldes beschwören und halbherzig handeln. Daß Politikers Wort sich nicht immer mit Politikers Tat deckt, ist leider nicht einmal mehr eines zynischen Kommentars wert. Doch der Wald lebt und stirbt nach anderen Wahrheiten, nämlich ganz unpolitisch realen.

Vielleicht können die Karlsruher Gerichte auch diesen unerbittlichen Gesetzen Geltung verschaffen. H. B.