In dieser Woche befanden sich die deutschen Aktien wieder auf Gipfelsturm. Was sich an einigen Tagen in den deutschen Börsensälen ereignete, glich ziemlich genau den Hausse-Zeiten vor mehr als 20 Jahren. Damals begannen die Amerikaner, den deutschen Aktienmarkt zu entdecken, ohne zu ahnen, wie „eng“ es auf ihm – verglichen mit Wall Street – zugeht. Damals ließen die Kaufaufträge der Amerikaner die Kurse der Aktien explodieren

Heute ist es nicht anders. Wieder werden die ungewöhnlichen Kurssprünge – bei einigen Standardaktien in einer Börsensitzung von mehr als zwanzig Mark – Käufen nordamerikanischer und englischer Pensionsfonds zugeschrieben. Ähnlich wie um 1960 waren die Kurssprünge das Resultat von Kaufaufträgen, deren Volumen der deutsche Aktienmarkt nur schwer verkraftet.

Die Börsianer, die sich noch der ersten großen Aktienhausse nach dem Kriege erinnern können, wissen, daß ihr eine lange Baisse folgte. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die Ausländer nach und nach enttäuscht wieder von ihren teuer eingekauften deutschen Aktien trennten.

Wird sich diese Entwicklung jetzt wiederholen? Eine Frage, die immer öfter gestellt wird und auf die niemand mit einem klaren Nein zu antworten wagt. Ohne Zweifel hat sich das Aktienklima in der Bundesrepublik nach dem Regierungswechsel in Bonn erkennbar verbessert.

Hinzu kommt, daß berechtigte Aussichten auf eine langsame Konjunkturbelebung bestehen, die nach den Schätzungen der Banken für eine Anhebung der Unternehmensgewinne sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr sorgen wird. Daß deutsche Spitzenunternehmen wie Daimler, Siemens, Schering und noch einige andere an dieser Entwicklung voll teilhaben werden, war seit langem vermutet worden. Und daß – gemessen am geschätzten Ertrag je Aktie die Aktien dieser Gesellschaften als international preiswert galten, konnte sich jeder ausrechnen. K.W.