Als das Gebäude (das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin) in Gebrauch genommen wurde, die Leute den Fahrstuhl links liegen ließen und offensichtlich Spaß am Treppensteigen hatten, war der Architekt froh. Er hatte es so gewollt, und so schrieb er den Satz: „Die Treppe hat gesiegt.“ Ein anderer Architekt setzte zu seinen Gedankengängen gleich mit dem Satz an: „,Treppe‘ ist für mich gleichsam ein Synonym für Architektur.“ Treppen sind, sofern sie nicht ein verkümmertes Dasein als Fluchtweg in düsteren Schächten fristen, in Szene gesetzte Räume – und was gibt es nicht für faszinierende Inszenierungen: Unmöglich, im Hotel „Winterpalais“ in Luxor nicht die Treppe hinaufzugehen; schwer, in der Alten Pinakothek in München den Aufstieg nicht mit Spuren von Erregung zu beginnen; und wie könnte man die Treppen, nein, die Treppenhäuser mancher Häuser wie der Würzburger Residenz, des alten Schlosses in Blois, der Pariser Oper benutzen, ohne daß das Gefühl dabei in Bewegung geriete. Es gibt Treppenhäuser, die das Steigen, nein, das Schreiten zur Lustbarkeit machen. Verständlich also, daß eine so ehrgeizige Vierteljahresschrift wie Daidalos ihr neuestes Heft nichts anderem als der Treppe widmet. Architekten äußern sich darin über (ihre) Treppen, Architekturbetrachter untersuchen den Gegenstand historisch und phänomenologisch, und der Theaterkritiker Georg Hensel gibt Hinweise auf die Bühnenbildtreppe als Inszenierungshilfe. Man erfährt von ziemlich erstaunlichen Beobachtungen. Natürlich denkt die Redaktion modern, und so schließt sie nicht mit den neuesten Stufenwerken, sondern mit den ersten Fahrstühlen, die ihre fliegende Geschwindigkeit noch betont offen demonstrierten: mitten in der Treppenspirale. (Daidalos Berlin Architectural Journal, deutsch und englisch; Bertelsmann Fachzeitschriften GmbH, Berlin, September 1983; 128 S., Abb., 36 DM, Jahrespreis 120 DM.) M. S.