Die meisten Landfrauen ziehen das mühevolle Schaffen auf dem Hof der Fabrikarbeit vor

/ Von Utz Jeggle

In jedem sozialen System führen unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeiten zu Spannungen, manchmal zu Sprüngen und Rissen. Veränderungen in der Landwirtschaft der letzten drei

Jahrzehnte haben viele Beteiligte fast zerrieben, so heftig zerrte das Neue an dem oft jahrhundertelang überlieferten Alten. Das Landleben veränderte seinen Charakter von Grund auf, wobei nur wenige überlebten: 1950/51 arbeiteten 4,4 Millionen in der Landwirtschaft, 1978/79 waren es noch 1,2 Millionen. Die Besitzer größerer Güter (ab 50 Hektar) wußten sich zu retten, auch wenn nicht jeder Hof die Rendite abwirft, die Neider den Großbauern unterstellen („werktags fahren sie im Mercedes und sonntags hocken sie in der Spielbank“).

Wer nicht genügend Land hat, um nach modernen Methoden produzieren und sein Einkommen sichern zu können, mag seinen Haupterwerb außerhalb der Landwirtschaft suchen, etwa in der Fabrik oder im Büro. Die Frau zu Haus kümmert sich dann um Hof und Haus – oder wie die beiden Erlanger Soziologinnen Heide Inhetveen und Margret Blasche eine Nebenerwerbsbauernregel zitieren: „Wenn’s Weiber gibt, kann’s weitergehen.“ Die beiden Sozialforscherinnen haben in fünf Jahren mit Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen die Probleme studiert und ihr Ergebnis publiziert:

Heide Inhetveen und Margret Blasche: „Frauen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft“; Westdeutscher Verlag, Opladen 1983; 264 S., 32,– DM.

Sie haben bei Nürnberg und in der abgelegeneren fränkischen Schweiz (60 Autominuten bis zur Stadt) 133 Bäuerinnen interviewt, ihre Ängste und Wünsche, ihre Hoffnungen und Illusionen registriert. Zwei Drittel der Höfe werden im Nebenerwerb bewirtschaftet. Das heißt, die Frau trägt die Hauptarbeitslast, der Mann steht nur nach Feierabend zur hilfreichen Verfügung. Die durchschnittliche Betriebsgröße der Höfe betrug etwas mehr als 10 Hektar. Nach Rentabilitätsdoktrinen ist das ein besserer Garten. Trotzdem gelten auch für solche Höfe die Regeln der vorgegebenen Wirtschaftsstruktur; es gibt im ökonomischen Sinn keine alternative Land-Wirtschaft. Es gibt allerdings beachtliche Nischen und Freiräume, die viele dieser Bäuerinnen mit viel Phantasie in den Lebensplan mit einschließen, aus denen sie Kraft und Selbstwertgefühl ziehen.