Es ist eine Tatsache, daß es im Alltag der Staaten, die sich sozialistisch nennen, zunehmenden militaristischen Druck und Verherrlichung der Macht gibt. Die Betonköpfe und Entspannungsgegner drängen sich dort in die erste Reihe. Das ist in Westeuropa (noch) nicht so, auch wenn es ähnliche Tendenzen, mehr „Straffheit“ und „Ordnung“ herzustellen, gibt. Meine Tochter, die in West-Berlin zur Schule geht, mußte bisher weder Panzer malen noch soldatische Schwüre leisten. An dieser Wahrheit, auch wenn sie „den Frieden“ und ernstgemeinte Entspannungsabsichten kompliziert, kommt keiner vorbei. Sie ist kein Grund, selbstgerecht nach „dem Osten“ zu zeigen und die eigenen Untaten zu relativieren. Sie ist kein Grund, Pazifisten zu verteufeln oder zu übersehen, daß es zum Beispiel in der DDR eine unabhängige Friedensbewegung gibt, die gegen die totale Staatsfuchtel opponiert. Aber der gewöhnliche, in der DDR noch preußisch-marschierende Militarismus ist eine Tatsache. Und auf sie hat Manès Sperber, im Gegensatz zu vielen anderen Rednern der Friedensbewegung Westeuropas, hingewiesen ... Aus Ihrer Entgegnung, Bernt Engelmann, Ihrer Aufforderung an Sperber, den „irrtümlich angenommenen Friedenspreis schleunigst zurückzugeben“, weil er jeden Versuch friedlichen Zusammenlebens als Hirngespinst abtut, spricht eine Entwertungsabsicht, eine Grobheit, die mich erschüttert und entsetzt... Ich fordere Sie heute auf, zurückzutreten. So könnte nach meiner Ansicht die Möglichkeit entstehen, durch öffentliche Diskussion und fairen Meinungsstreit, der nicht nach Posten schielt und hartnäckig administrative Positionen verteidigt, das zu korrigieren, was Geheimdiplomatie und der forsche, zur Selbstkritik offenbar unfähige Gebrauch eines Amtes angerichtet haben.

Der früher in der DDR lebende Autor Jürgen Fuchs in einem Offenen Brief an Bernt Engelmann, den Vorsitzenden des deutschen Schriftstellerverbandes VS. Engelmann hatte auf dem Gewerkschaftstag der „IG Druck und Papier“ Monis Sperbers Frankfurter Friedenspreis-Rede attackiert.

Schloß – mit Stahl und Glas

Am Ende gab es noch einen gewaltigen Aufschrei: „Geschmacklosigkeit“, „Stilmonster“, „verheerende Konzeption“, „Köpenickiade“, und der Innenminister hatte gerufen: „Tun Sie das dem Schloß nicht an!“ Sie haben gottlob die Courage, es dem Schloß von Saarbrücken anzutun. Nachdem die Obergutachter noch einmal getagt und den Beschluß des Stadtverbandes bekräftigt hatten, ist es nun entschieden: Das Schloß wird nicht nach den (viel zu lückenhaften) Plänen des Zerbster Barockbaumeisters Joachim Friedrich Stengel nachgebildet, sondern so erhalten, wie es die Geschichte hinterlassen hat. Aber es bekommt wieder einen würdigen risalitartigen Mittelbau, so wie ihn der Kölner Architekt Gottfried Böhm entworfen hat: einen transparenten Turmbau, der den Flügeln des Schlosses wieder Halt gibt. Damit hat eine acht Jahre lange, ziemlich hitzige Auseinandersetzung ihr gutes, von vernünftigen Konservatoren ausdrücklich gepriesenes Ende gefunden. Das Schloß war 1794 von Stengel errichtet, aber schon 45 Jahre später von Napoleon zerstört und an Bürger versteigert worden. Der Baumeister Knippel hatte es bescheiden wieder hergerichtet, Hugo Diehm versah es 1872 mit einem neuen, aber etwas mickrigen Mittelrisaliten. Den also ersetzt nun – aus Anlaß der notwendig gewordenen gründlichen Restaurierung – demnächst ein Mittelbau der Gegenwart. Die Juroren, die vor ein paar Jahren noch über die Entwürfe zur Rekonstruktion des barocken Schlosses befinden sollten, hatten es schlau angefangen. Ihre Bedingungen für die Nachbildung waren so rigoros, daß sie unerfüllbar waren – und das Bekenntnis zur Moderne unvermeidlich.

Nordische Filmtage

Die diesjährigen Nordischen Filmtage in Lübeck (vom 3.-6. November) sind eine Jubiläumsveranstaltung. Zum 25. Mal werden skandinavische Filme und nicht nur die roten oder schwarzglasierten Backsteinkirchen, -tore oder -bürgerhäuser eine Attraktion der Hansestadt sein. Spiel-, Dokumentär- und Kurzfilme aus Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Island werden gezeigt. Vor allem auf den Debütfilm des Isländers Egill Edvardsson „Das Haus“ darf man gespannt sein: ein Thriller, in Reykjavik und Wien gedreht. Der schwedische Dokumentarfilm „Die Rache der Natur“, der von der Zerstörung der Natur durch den Menschen handelt, wird von Stefan Jarl vorgestellt, dessen dokumentarischer Bericht über drogenabhängige Jugendliche („Ein anständiges Leben“) auch bei uns großes Interesse fand. In der Retrospektive werden Meisterwerke des skandinavischen Films zu sehen sein, unter anderem von Ingmar Bergman, Jan Troell, Bo Widerberg. Die Informationsschau skandinavischer Kinder- und Jugendfilme steht ebenso wieder auf dem Programm wie Fachtagungen und Diskussionen. Als Jubiläumsgeschenk haben deutsche Festivalleiter neue deutsche Spiel- und Kurzfilme nach Lübeck geschickt. So wird – trotz Zimmermann – auch „Das Gespenst“ wieder auf der Leinwand erscheinen.