Keine gute Nachricht

Ein Türke, der inzwischen im Ausland lebt, schildert in einem jetzt von amnesty international verbreiteten Bericht seinen Leidensweg durch türkische Folterstätten. Er wurde verhaftet, weil ihn ein anderer, unter Zwang, der feindseligen Einstellung gegenüber dem Militärregime beschuldigt hatte. „Sie begannen: Schläge auf alle Teile meines Körpers. Während mir ein Polizist Elektroschocks an meinem ganzen Körper gab, schlug ein anderer mit einem Holzstock auf meinen Kopf. Beim ersten Dauerverhör durfte ich vier Tage nicht essen, trinken, schlafen und sitzen.“ Der Gefangene wurde anschließend von dem Polizei- in ein Militärgefängnis gebracht. Dort wurde er zum Militärstaatsanwalt geschickt: „Als ich ihm erklärte, daß ich meine geistige Leistungsfähigkeit verloren hatte, daß ich schwer gefoltert wurde, antwortete der Staatsanwalt, dies sei eine gute Nachricht für ihn.“ An diesem Wochenende werden die verantwortlichen Militärs bei prunkvollen Feiern zu sehen sein: Vor 60 Jahren wurde die türkische Republik gegründet.

Amerikaner gegen die Pershing

In der Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm verbanden sich am letzten Wochenende nicht nur deutsche Friedensfreunde, sondern auch amerikanische Gegner der Raketenstationierung; in der Nähe des Ortes Jungingen eine ganze Gruppe: Amerikaner, die in München wohnen und sich zu einem Munich American Peace Committee zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel: Sie wollen bekunden, daß auch und gerade Amerikaner die Rüstungspolitik der derzeitigen amerikanischen Regierung ablehnen und daß „Demonstrationen dieser Art keineswegs ‚anti-amerikanisch‘ sind, sondern im Gegenteil, daß Proteste und öffentliche Aktionen für den Frieden in der besten amerikanischen Tradition sind“.

Ausgrabung

Ein Untersuchungsrichter in Versailles hat die Exhumierung der sterblichen Überreste von Robert Boulin angeordnet. Der Arbeitsminister der französischen Republik war 1979 am Ufer eines Sees im Wald von Rambouillet tot aufgefunden worden; in seinem in der Nähe abgestellten Auto fand sich ein Abschiedsbrief. Der Minister schien den Freitod im Wasser gesucht zu haben – nur seine Familie bestritt das: Die Selbstmord-Ankündigung sei eine Fälschung, und an der Leiche fanden sich Verletzungen, wie sie kein Ertrunkener aufweise. Das soll jetzt geklärt werden, und die Franzosen spekulieren über den möglichen politischen Hintergrund eines eventuellen Mordes. Der gaullistische Minister war der Begünstigung eines Betrügers bezichtigt worden und wurde von seinen Kabinettskollegen nicht unterstützt. Phantasievolle Gemüter stellten sich schon 1979 vor, der Mörder habe verhindern wollen, daß der verbitterte Boulin böse Geheimnisse anderer prominenter Politiker der Giscard-Regierung verraten könnte.