Eine unheimliche Verbindung: Neonazis und Fußball-Rowdies

Von Dietrich Strothmann

Sechzigtausend Besucher waren erwartet, sechstausend Polizisten aufgeboten worden: Das Qualifikationsspiel zur Fußball-Europameisterschaft zwischen der Türkei und der Bundesrepublik im Berliner Olympia-Stadion hatte schon im Vorfeld manche Rekorde geschlagen. Es sollte auch, nach dem Willen radikaler Fußballfans und mit der ferngesteuerten Unterstützung radikaler Neonazis, zu einem Schlachtfeld werden.

"Auf nach Berlin zum Kampf gegen die Kanaken", hatte es Wochen zuvor in Flugblättern der "Fans von Hertha BSC" geheißen. "Packt eure Sachen, solange ihr noch könnt, bevor eure Wohnungen und Kebab-Buden in Flammen stehen", hatte eine ominöse "Kampftruppe Prinz Eugen" auf Handzetteln verbreiten lassen. "Kreuzberg muß brennen", lautete der Schlachtruf der neuen Schläger aus Dortmund, Hannover und Frankfurt, die – aufgeheizt von ihren neonazistischen Hintermännern – in Berlin ihr Fanal setzen wollten. Und .manche Polizeichefs und Verfassungsschützer, betroffen noch immer wegen des alten, längst überholten Vorwurfs der "Rechts-Blindheit", reagierten vor dem Berliner Sportspektakel nervös: Kommt es zu Stadionschlägereien oder später zu Straßenschlachten? Werden etwa, da sich die Neonazis schließlich doch entschieden hatten, nicht geschlossen in Berlin aufzutreten, inzwischen ebenfalls mobilisierte Linksradikale an den ausgeflippten Fan-Rabauken ihr Mütchen kühlen?

"Bock auf Hitler"