Vanselow konzentrierte sich deshalb auf die mündliche Recherche. Einwohner aus Happurg und Hersbruck berichteten ihm über ihre Beobachtungen und Erlebnisse, über Mißhandlungen von Häftlingen und Drohungen der SS gegen Bäuerinnen, die den halbverhungerten Arbeitssklaven Brot zustecken wollten. Ehemalige zivile Zwangsarbeiter konnten Vanselow die Baustelle und den Arbeitsbetrieb erklären.

Mit der Vergangenheitsbewältigung auf Hersbrucker Art ist es vorbei, seitdem die geplante Veröffentlichung der Facharbeit im Selbstverlag bekannt wurde. Junge Hersbrucker aus kirchlichen und gewerkschaftlichen Kreisen schlossen sich mit Vanselow zu einem Arbeitskreis zusammen. Sie wollen das KZ und das Stollenprojekt weiter erforschen und die Ergebnisse veröffentlichen.

Der Autor Bernt Engelmann, einst selbst Häftling in diesem KZ, schrieb ein Geleitwort zu dem Bericht: „Genau das... haben wir uns einst erhofft, wir, die Häftlinge des Lagers Hersbruck der Jahre 1944/45: Daß unsere vielen Toten und wir wenigen Überlebenden nicht vergessen würden, daß einer es erforschen und aufschreiben würde, was da vor den Augen der Bevölkerung der kleinen Stadt an der Pegnitz Tag für Tag geschah.“

Der Hersbrucker Bürgermeister allerdings hat Einwände: In der Stadt habe es ja gar kein richtiges KZ gegeben, nur eines von 96 Außenlagern Flossenbürgs. Ein Stadtrat des Freien Rathausblocks stellte sogar einen Zuschuß für die Veröffentlichung in Aussicht, wenn der Titel entsprechend geändert würde. Doch Vanselow verwies schon in seiner Facharbeit darauf, daß dieses „Nebenlager“ mit insgesamt 10 000 Häftlingen mit den meisten Außenkommandos nicht zu vergleichen war.

In den nächsten Wochen wird sich die Stadt noch mehr Sorgen um ihren guten Ruf machen müssen: Am 5. November will die örtliche Gewerkschaftsjugend nach knapper Genehmigung durch den Stadtrat einen Gedenkstein auf dem Lagergelände einweihen. Der Arbeitskreis will weitermachen: Die Akten des Schwurgerichtsprozesses von 1950, soweit erreichbar, sollen ausgewertet werden. Ein Sammelband mit Zeugenberichten soll dem ersten Buch folgen. Erwin Denzler