DIE ZEIT

Widersprüche

Was tut ein autoritäres Regime, wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, die Bürger immer unzufriedener und schließlich aufsässig werden? Es strafft die Institutionen, um fürs Äußerste gewappnet zu sein.

Angst vor Amerika

Seit dem Wochenende hebt die Bevölkerung von Nicaragua Splittergräben aus und baut Bunker. Die Volksmiliz ist zu den Waffen gerufen; Hausfrauen kaufen die Läden leer, Fernsehen und Funk mahnen immer wieder zu revolutionärer Wachsamkeit.

Abgetreten

Der Rücktritt muß Berat Engelmann schwergefallen sein. Zwar pflegte der Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), wenn man ihn fragte, zu sagen, er klebe nicht an dieser "Knochenarbeit", die er überdies ehrenamtlich verrichte.

Raketenschuß im Golf

Der ferne Krieg am Golf rückt näher. Letzten Montag ist in der Nähe der iranischen Hafenstadt Baschir der griechische Frachter "Antigone" versenkt worden, angeblich von einer irakischen Exocet-Rakete.

Die Kette der tausend Kraniche

Die Szene spielte sich am zweiten Tag der Nachrüstungsdebatte im Bundestag ab. Es sprach die Abgeordnete Christa Nickels von den Grünen.

Zeitspiegel

schon eifrig die Wiederwahl Ronald Reagans im kommenden Jahr. Ausgewählte Adressaten erhalten einen hübsch gestalteten Formbrief des "ehrenwerten Ronald Wilson Reagan": Der Präsident bittet um eine Spende von mindestens 25 Dollar für den Republican Fund und verspricht dafür einen zweiten, diesmal "persönlichen" Brief, aus dem hervorgeht, daß der Spender ein "besonderer Freund des Präsidenten" ist.

Worte der Woche

"Eine Menschheit, die im Laufe ihrer Geschichte die Sklaverei überwunden hat, die die Streitigkeiten und Konflikte im nationalen Bereich nicht mehr gewaltsam austrägt, sondern in geordneten Verfahren friedlich schlichtet, eine solche Menschheit kann auch den Krieg überwinden, wenn sie es nur will.

Gefeit gegen jeden Zweifel

Helmut Kohl: Mit Selbstsicherheit und Spruchweisheiten reagiert der Kanzler auf die Umbrüche in der Republik

Glanzlos, aber einig

Die Freien Demokraten in Karlsruhe: Die Wende ist überwunden, aber noch nicht bewältigt

Seekrieg im Golf

Die "Antigone" sollte Stahlprodukte aus Japan zum Hafen Bandar Chomeini im Iran befördern. Beim Auslaufen aus dem iranischen Hafen Baschir, einer Zwischenstation, wurde das Schiff getroffen und halbiert.

Commonwealth: Nur ein Debattierklub?

In Indien treffen sich die Staats- und Regierungschefs des Commonwealth zu ihrer regelmäßigen Konferenz: Die Ereignisse in den Mitgliedsstaaten Grenada und Zypern beleuchten die Schwäche des Staatenbundes.

Italien: Paradoxer Zwist

Mit gemessener Verbeugung vor dem "Kollegen Berlinguer" nahm Ministerpräsident Bettino Craxi Ende letzter Woche einen "als letzten Versuch" gestarteten Vorschlag des KP-Chefs auf: die "technische" Aufstellung der Nato-Raketen zu verschieben, falls gleichzeitig die Sowjets "mit einer bezeichnenden Geste" den Abbau ihrer SS-20-Raketen beginnen würden.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Nach dem Abstimmungssieg der Regierungskoalition im Bundestag wird die Stationierung der neuen amerikanischen Mittelstreckenwaffen in der Bundesrepublik in den nächsten Tagen beginnen.

Wer kommt nach Andropow?

Da der Zar mit einer außerordentlich schnellen Auffassungsgabe ausgestattet ist", so berichtete der dänische Gesandte Just Juel über Peter den Großen, "sieht er sofort, was getan werden muß, damit das Feuer eingedämmt wird.

"Am Tag danach": Der Schock der Apokalypse

Präsident Reagan – auch er hat "Am Tag danach" gesehen – ist überzeugt, daß er alles in seinen Kräften Stehende tut, um einen Atomkrieg zu verhüten.

Bürgerrechte: Gibt es noch Richter in Berlin?

Der hoffnungsvolle Ausspruch "Es gibt noch Richter in Berlin", mit dem sich vor mehr als zweihundert Jahren preußischer Bürgerstolz wider die Herrscherwillkür des Großen Friedrich Luft machte, muß heutzutage den Westberlinern – und nicht nur ihnen – eher wie eine Reminiszenz an bessere Zeiten erscheinen.

Bundesverfassungsgericht: Irreführend

Ein schwerer Mißstand ist in Karlsruhe eingerissen. Das Bundesverfassungsgericht sorgt nicht ausreichend dafür, daß die Öffentlichkeit zwischen wirklichen, bindenden Entscheidungen und den Beschlüssen seiner sechs Richterausschüsse unterscheidet.

Hochschule: Schnuppern

Das Angebot an die Schulabgänger hat Tradition: Zum dritten Mal lud die Hamburger Universität zum "Schnupperstudium", und Tausende folgten.

Behandelt wie Verdächtige

Den beiden jungen Frauen sind die Hände blau gefroren. Sie warten schon seit geraumer Zeit darauf, in das Gerichtsgebäude Stuttgart Stammheim eingelassen zu werden.

Linksliberal und fromm: Die heiligen Drei

Im Deutschen Evangelischen Kirchentag kündigt sich ein bemerkenswerter Wechsel an. Am 28. Oktober wählte die Präsidialversammlung des einenneuen Dreiervorstand: Den Theologieprofessor Wolfgang Huber, die Sozialwirtin und Fachhochschulprofessorin Eleonore von Rotenhan und richter Helmut Simon.

Sittenbilder: Die Potse

Es geht um 1800 Meter. Um die "Mädels", die stehengeblieben sind, als der Sportpalast abgerissen wurde, und um die ausgestopfte Krähe des Hans Kalupa.

Mauer auf Dauer

Charles Lichenstein, der stellvertretende amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, starrte gedankenverloren über die starken Gläser seiner Brille hinweg in die Runde; Sowjetbotschafter Oleg Trojanowskij erzählte einem seiner Mitarbeiter eine komische Geschichte; Generalsekretär Pérez de Cuéllar machte sich Notizen – für keinen Augenblick hörte das geschäftige Hin und Her im Saal des Sicherheitsrates auf.

Politpascha und Schlaumeier

Die Kanonen schwiegen. Ein türkisches Expeditionskorps hatte sich eingegraben. Flüchtlingsströme waren von Zypern nach Zypern unterwegs.

Was kommt nach Genf?

Sonnenfeldt: Amerika ist ein großes Land. Die Erwartung der amerikanischen Regierung und auch anderer aber ist, glaube ich, daß es, wenn nicht in den nächsten paar Tagen, dann doch in den nächsten Monaten immer noch möglich sein sollte, ein Abkommen zu schließen.

Fünf Jahre lang sollen Arbeitnehmer schon mit 59 in Rente gehen dürfen – eine Rechnung mit vielen Risiken: Norbert Blüms teure Offerte

Daß es wirtschafts- und beschäftigungspolitisch sinnvoll sei, Arbeitnehmer bereits mit 59 Jahren in den Ruhestand ziehen zu lassen, und dies auch noch, wie es die Bundesregierung gerade beschlossen hat, mit dem Geld der Steuerzahler zu honorieren, hat in den vergangenen Tagen wirklich niemand behauptet, der mit dem Thema zu tun hatte – weder Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, der eine solche "Vorruhestandsregelung" durchgesetzt hat, noch Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Finanzminister Gerhard Stoltenberg, die Blüms weitergehende Pläne nach Kräften entschärft haben.

Links oder rechtens?

Der Herr von Hoechst hatte Höheres im Sinn. Nicht um den Vorteil der Firma war es Rolf Sammet zu tun, sondern ums Allgemeinwohl.

Tarifrente: Alibi

Es kommt auf die Sekunde an..., sang Johannes Heesters einst im Berliner Metropol-Theater – doch das nicht nur bei schönen Frauen, nein, ganz besonders auch in der Politik.

Bonner Kulisse

Da Kabinettssitzungen beim Bundeskanzler nicht gerade hoch im Kurs stehen, könnte Helmut Kohl von 1984 an ganz auf die Zusammenkunft zur großen Ministerrunde verzichten.

Ruhrkohle: Privilegien

Die Ruhrkohle hat lange gebraucht, um sich auf die veränderten Absatzverhältnisse einzustellen. Mag sein, daß man Ausmaß und Dauer der Stahlkrise zunächst unterschätzt und den Einbruch beim Absatz an die Hüttenwerke für eine vorübergehende Erscheinung gehalten hat.

Milchschwemme: Bürokraten

Milch besteht zum größten Teil aus Wasser. Und deshalb hat Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle zweifellos recht, wenn er warnt: "Der Gemeinschaft steht das Wasser bis zum Hals.

Die Jagd geht auf

flung und Sportvereins Eintracht tradkiohsreichen Klubs ver Mitglieder wohl sonst kaum Günter Mast, Chef der Wo brik Jägermeister.

Als noch alle dachten, der Sprit wird knapp

Als vor zehn Jahren die Araber die Ölförderung drosselten und die Preise drastisch erhöhten, erlitt die Welt einen Schock. Ebenso wie die Experten machten sich die Karikaturisten damals Gedanken darüber, wie es nun weitergehen würde.

Zeit spart Geld

Das Interesse für die von der Deutschen Bank eingeführte erste Platinmünze mit dem Namen "Noble" ist überraschend rege. Der Verkaufspreis liegt bei etwa 1260 Mark.

Börsen-Report: Zu hoch geschraubt

Die deutsche Börse wird zur Zeit von den Realitäten eingeholt. Da die Erwartungen in Einzelfällen besonders hochgeschraubt worden sind, sind Enttäuschungen an der Tagesordnung.

MANAGER UND MÄRKTE

Ausgerechnet die krisengeschüttelte Stahlbranche stellt den Manager des Jahres 1983. In dem zum zehntenmal vom Münchner Industriemagazin ausgeschriebenen Wettbewerb setzte eine Jury führender Wirtschaftsjournalisten Detlev Rohwedder, Vorstandsmitglied der Hoesch Werke AG, auf Platz eins.

Kein Grund zum Jubeln

ZEIT: Die Bundesbank hat eine Verbesserung der Gemeindefinanzen festgestellt. Das Defizit – 1982: zehn Milliarden Mark – wird 1983 auf rund vier Milliarden zurückgehen.

"...dann hätten wir das Land dichtmachen können"

Alle Jahre wieder – diese Floskel kündigt andernorts das Christkind an und die damit angeblich zusammenhängende Bescherung. Die Saarländer assoziieren damit seit einiger Zeit die Wiederkehr eines weniger freundlichen Ereignisses: der Ankündigung, Arbed Saarstahl, zweitgrößter Arbeitgeber im Land, stehe nun wirklich vor dem Konkurs, wenn nicht in absehbarer Zeit dies und das geschehe.

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