Bittere Pillen – Seite 1

Spreche ich mit dem Bundespresseamt, Abteilung: Beruhigen und Beschwichtigen?"

"Ach, Sie schon wieder. Hat die letzte Arznei nicht gewirkt?"

"Leider nein. Es klingt vielleicht absurd, aber vor dem Eintreffen der ersten Pershings fühlte ich mich bedeutend sicherer. Und Ihre Dregger-Beruhigungstropfen nach dem Rezept ‚Moskau versteht nur eine Politik der Stärke‘ hatten nur die Wirkung, daß ich jetzt überhaupt nicht mehr schlafen kann."

"Die Tropfen wurden schon aus dem Verkehr gezogen, das war die falsche Medizin. Hm, Sie brauchen also ein neues Beruhigungsmittel. Mal sehen. Wie war’s denn mit Wörner-Dragées, nach dem Rezept: ‚Das hält der Russe wirtschaftlich nicht lange durch‘, mit der Langzeitwirkung?"

"Wie nimmt man das Mittel ein?"

"Wörner-Dragées muß man einfach schlucken. Oder auch zu empfehlen: eine Spritze von unserem Chef: Boenisch-Intravenös ‚Übliche russische Drohungen, nicht weiter ernst nehmen‘."

"Darauf reagiere ich geradezu allergisch. Was Stärkeres bitte!"

Bittere Pillen – Seite 2

"Vielleicht ein Kohl-Präparat? Er verspricht sich viel von der Salbe "Moskau braucht die Entspannung und kommt sicher an den Tisch zurück’. Auch in Pillenform, morgens, sehr nüchtern, wohlschmeckend, zergeht einem auf der Zunge."

"Wenn das auch nichts hilft?"

"Dann hilft vielleicht CSU-Heilerde aus original bayerischem Boden, in Form einer Strauß-Packung nach dem Rezept: ‚Wer die Raketen nicht bejaht, ist ein Handlanger Moskaus.‘"

"Schon bei dem Gedanken bekomme ich Hautausschlag."

Der Sprecher im Bundespresseamt meinte mitfühlend: "Sie scheinen ja eine besonders ängstliche Natur zu sein. Vielleicht fühlen Sie sich erst wirklich sicher, wenn sämtliche 108 Raketen stationiert sind? Wie weit wohnen Sie von Mutlangen?

"So um die 250 km."

"Dann begreife ich Ihre Sorgen überhaupt nicht."

Bittere Pillen – Seite 3

"Was raten Sie denn den Anrufern aus der Gegend von Mutlangen?"

"Sofort Haus und Hof verkaufen, bevor die Grundstückspreise sinken."

"Haben Sie für mich auch einen guten Rat auf Lager?"

Er räusperte sich: "Ja. Denken Sie daran, daß ihr Schicksal in der starken, ruhigen, erfahrenen, vertrauenswürdigen Hand Ronald Reagans liegt. Sind Sie noch am Apparat?..."