Es nicht jedermanns Sache, sich für ein Viertel oder gar nur ein Fünftel seines bisherigen Einkommens beschäftigen zu lassen. Manfred Lennings aber, dessen Ernennung zum Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium bereits zu Beginn der Woche ziemlich sicher erschien, konnte mit seiner Entscheidung wohl ebenso zufrieden sein, wie Verteidigungsminister Manfred Wörner, dem es gelungen ist, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Gutehoffnungshütte (GHH) zu verpflichten.

Wörner hat mit Lennings einen hochqualifizierten Mann für die rüstungswirtschaftlichen Belange seines Hauses gefunden, bei denen allzu oft Milliarden in den Sand gesetzt oder aber, wenn man nur aufpaßt, eingespart werden können. Diese Position des Rüstungs-"Controllers" war vakant, nachdem mit dem vorherigen Verteidigungsminister Hans Apel auch dessen Staatssekretär Klaus-Dieter Leister ein Opfer der Bonner Wende geworden war. Auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger hat sich Wörner dem Vernehmen nach von Anfang an unter den Spitzenmanagern der Wirtschaft umgesehen, sich dabei jedoch etliche Körbe geholt.

Lennings aber, der nach Querelen mit den und zwischen den GHH-Hauptaktionären gerade erst seinen Spitzenjob, sicherlich einen der wichtigsten in der deutschen Industrie, quittiert hatte, hätte in einem gleichermaßen bedeutenden Unternehmen derzeit wohl kaum unterkommen können – da ist alles zu oder, wie bei Daimler-Benz, fest zugesagt. Gewiß, er hätte auch als sozusagen hauptberufliches Mitglied von Aufsichtsräten und nebenher freischaffender Berater in mancherlei Fragen von Wichtigkeit gut leben können – wie etwa der ehemalige Krupp-Manager Günter Vogelsang, der sich zuletzt unter anderem intensiv um eine Neuordnung der deutschen Stahlindustrie bemüht hat, aus der dann, freilich ohne seine Schuld, doch nichts geworden ist

Der Wechsel aus der Wirtschaft in die Politik aber bringt offenbar auch heute noch so viel Ehre, daß ein Mann wie Lennings durchaus leger darüber hinwegsehen kann, wenn ihm dafür nur eine Vergütung nach der Besoldungsstufe B 11 – rund 170 000 Mark – gewährt wird. Lennings nämlich war, für seinesgleichen alles andere als eine Selbstverständlichkeit, stets schon auch ein "politischer Mensch" – das erleichtert den Wechsel.

Das Verteidigungsministerium hatte schon in der Vergangenheit eine gewisse Faszination für Spitzenmanager. Bereits zu Beder siebziger Jahre hat dort inzwischen verstorbene Thyssen-Chef Ernst Wolf Mommsen dem Staat zur Einsparung mindestens neunstelliger Beträge verholfen, ohne selbst dafür Geld zu nehmen. Nach Mommsen hat dort eine Zeitlang auch der ehemalige Reemtsma-Manager Manfred Emcke gewirkt und dabei unter anderem die Qualität des Managements auf der Bonner Hardthöhe geprüft – mit ziemlich vernichtendem Ergebnis

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Mag die Ernennung Manfred Lennings zum politischen Beamten den – für die Bundesrepublik überwiegend falschen – Eindruck guter "Durchlässigkeit" zwischen Politik und Wirtschaft vermitteln, so mochte sich dieser Eindruck etwa zur gleichen Zeit an anderer Stelle noch verstärken: Für eine vertrauliche Diskussionsveranstaltung mit dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt, zu dem der Gesprächskreis "Politik und Wirtschaft" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen hatte, haben sich so viele namhafte Interessenten aus allen Bereichen der Wirtschaft angesagt, daß die Organisatoren fast schon Mühe hatten, des Ansturms Herr zu werden.