Von Richard Gaul

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Artikel 3, Satz 3.

Wilfried Guth hat einen Fehler gemacht. Als der Bankier als Aufsichtsratschef von Daimler-Benz vor vier Jahren Gerhard Prinz zum künftigen Vorstandsvorsitzenden des Autokonzerns nominieren ließ, versicherte er zugleich, daß die beiden anderen Kandidaten für diesen wohl begehrtesten Posten in der deutschen Industrie, Edzard Reuter und Werner Niefer, ebenso qualifiziert seien.

Heute muß sich der Sprecher der Deutschen Bank dieses Urteil vorhalten lassen, denn nun will er weder den derzeitigen Daimler-Finanzchef Reuter noch Produktionsleiter tiefer an der Spitze des Unternehmens sehen, sondern einen neuen Kandidaten: den bisherigen Daimler-Benz-Entwicklungschef Werner Breitschwerdt.

Gegen Reuter spricht, heute wie damals, nur eines: Der Manager, Sohn des 1963 verstorbenen Regierenden Bürgermeisters von Berlin Ernst Reuter, ist Mitglied der SPD.

Dieser Grund wurde allerdings vor vier Jahren ebensowenig genannt wie heute. Damals jedoch stand mit Gerhard Prinz ein zumindest ebenbürtier Mann zur Verfügung. Und die kurze Amtszeit des vor wenigen Wochen überraschend verstorbenen 53jährigen Prinz hat bewiesen, daß die damalige Wahl richtig war. Denn ihm war es gelungen, den unter seinem Vorgänger Joachim Zahn eher getrennt agierenden Vorstand zu einem Team zusammenzuschweißen. Die "Geschlossenheit erstklassiger Leute", auf die Guth in der Trauerrede hinwies, ist vor allem das Werk von Prinz.