Nun darf sich also auch die Bundesrepublik eine raumfahrende Nation nennen. Gewiß, wer kennt noch die Namen der Astronauten, nennt die Kapseln der amerikanischen und russischen Flüge ins All. Oder wer erinnert sich der exotischen sowjetischen Mitflieger aus Kuba und der Mongolei? Vielleicht ist ja Siegfried Jahn, der erste (DDR-)Deutsche im All, noch nicht vergessen.

Aber Ulf Merbolds Flug an Bord der Raumfähre "Columbia", der am Montagnachmittag mit einem Bilderbuchstart begann, ist mehr als eine Public-Relations-Vorstellung westlicher Prägung. Das prallvolle Forschungsprogramm der bis zum 7. Dezember geplanten Mission kann jedoch nicht über Schwächen des amerikanischen Space-shuttle- und des europäischen Spaces-Programms hinwegtäuschen. Merbold ist ein fähiger Physiker und sicher ausgezeichnet für das Vorhaben geeignet. Und doch hätte er nicht gleich dutzendweise amerikanische Astronauten in der Warteschlange vor dem Flug ins All überholen können, wäre da nicht vorher ein stolzer Preis bezahlt worden: Die europäische Weltraumorganisation ESA baute das fast zweieinhalb Milliarden Mark teure Raumlabor, von dem die Bundesrepublik mehr als die Hälfte bezahlte.

Ein teurer Spaß im All, also. Entsprechen wenigstens die Forschungsexperimente dem großen Aufwand? Die internationale Wissenschaftsgemeinde hat Zweifel angemeldet. So manches an Bord des Spacelab sei nur "Raumfüller" (siehe auch Seite 66). GH