Von Peter Christ

Wenn der November naht, lädt Sir Christopher Laidlaw, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen BP, zur außerordentlichen Hauptversammlung in Hamburg ein. So war es im vergangenen Jahr, so war es in diesem. Die Vorbereitungen sind rasch getroffen. Für die unplanmäßige Zusammenkunft reicht ein Sitzungszimmer in der Zentrale der BP am Hamburger Uberseering. Die Deutsche BP hat nur eine Aktionärin, The British Petroleum Company in London. Und der ist das wichtigste Thema der Tagesordnung sehr vertraut: die Rettung des größten deutschen Ölkonzerns. So war es im vergangenen Jahr, am 16. November, so war es in diesem, am 14. November.

Vor einem Jahr waren nur die Zahlen etwas niedriger. Damals bewahrten 600 Millionen Mark Hellmuth Buddenberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen BP, davor, dem Amtsgericht den Verlust von sechzig Prozent des Aktienkapitals anzuzeigen. Vor zwei Wochen mußten es dann schon 900 Millionen Mark sein, um die Multi-Tochter am Leben zu erhalten. In nur zwei Jahren hat die Deutsche BP also ihr gesamtes Aktienkapital von 1,5 Milliarden Mark verloren.

Der Existenzkampf des Branchenprimus BP ist symptomatisch für das deutsche Ölgeschäft. Nach dem Bergbau, der Textilwirtschaft, den Werften und den Stahlherstellern hat es auch die Ölraffineure erwischt.

Seit 1980 kämpfen sie ums Überleben. Weniger Schlagzeilen und politischen Wirbel als andere sieche Sparten der deutschen Wirtschaft machen sie dabei nur deshalb, weil es um relativ wenige Arbeitsplätze geht und die Unternehmen bisher den Staat nicht um Hilfe gebeten haben. Und bei Politikern und Öffentlichkeit weckt es wohl wenig Mitleid, wenn die Tochterfirmen so unbeliebter ausländischer Ölmultis wie Exxon, Mobil, Texaco, Standard Oil, Shell oder BP in Schwierigkeiten geraten. Die Nöte rein deutscher Unternehmen wie Vebal Oel oder Wintershall geraten darüber leicht in Vergessenheit.

Die Misere der Firmen rechtfertigte mehr Beachtung, schließlich liefern und verarbeiten sie Öl, den unverändert wichtigsten Rohstoff der Weltwirtschaft, der auf absehbare Zeit durch nichts vollständig zu ersetzen sein wird. Geld haben die Unternehmen mit der Verarbeitung und dem Verkauf der zähen Brühe zuletzt 1979 verdient.

Damals sorgte die Revolution des Ajatollah Khomeini im Ölstaat Iran für Hysterie auf dem Weltmarkt und für explodierende Preise. Den deutschen Ölkonzernen brachte das einen Gewinn von durchschnittlich sechzehn Mark pro Tonne Rohöl. Ein Jahr später war die zweite Ölkrise vorbei, und die Multi-Filialen und ihre Konkurrenten auf dem deutschen Markt steckten wieder tief in den roten Zahlen.