In einem bislang unveröffentlichten Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium errechnet Heinz Jürgen Schürmann, Forscher am Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln, daß sich die Verluste der deutschen Ölindustrie in der Mineralölverarbeitung von Mitte 1980 bis Mitte 1983 auf rund fünfzehn Milliarden Mark kumulieren. Damit übertreffen sie sogar das ausgewiesene Kapital der Ölindustrie um etwa eine Milliarde Mark.

Rund vierzehn Mark pro Tonne Ölprodukt legten die Ölfirmen 1980 zu, ein Jahr später waren es im Durchschnitt fünfzig Mark, einzelne Unternehmen verloren zeitweilig fast hundert Mark. Ein Jahr darauf sah es nicht besser aus. In diesem Jahr setzen die Ölunternehmen rund dreißig Mark zu.

Geld wird in der Bundesrepublik nur noch mit der Förderung von Öl und Gas aus heimischen Quellen verdient. Damit können aber nur Esso, Shell, Mobil Oil, Texaco und die BASF-Tochtergesellschaft Wintershall ihre Verluste aus der Ölverarbeitung ausgleichen – ein Verfahren allerdings, das auf Dauer allen betriebswirtschaftlichen Usancen Hohn spricht. Andere Unternehmen wie Veba Oel und die Deutsche BP haben keinen Zugang zu deutschen Energiequellen und den daraus sprudelnden Gewinnen.

Doch wie das Beispiel Mobil Oil zeigt, reichen selbst die Gewinne aus deutschen Quellen nicht unbedingt aus, Verluste aus der Verarbeitung und dem Vertrieb abzudecken. Mobil erzielte im vergangenen Jahr mit 171 Millionen Mark Defizit das schlechteste Ergebnis der Firmengeschichte.

Seit 1973, als die Talfahrt der Ölbranche in der Bundesrepublik begann, haben etliche Firmen die Segel gestrichen. 1973 kehrte der amerikanische Ölmulti Gulf dem tristen deutschen Markt den Rücken, zwei Jahre später folgte Amoco, 1976 zog sich Occidental (Markenname: Oxy) zurück, vor wenigen Wochen gab die Standard Oil of California auf, die in der Bundesrepublik unter dem Namen Chevron Geschäfte machte, die immer schlechter gingen.

Der Keim für den Niedergang der Ölindustrie wurde ausgerechnet im besten Branchenjahr seit langem gelegt – 1979. Während der zweiten Ölkrise verdienten die Ölfirmen mehr denn je, keine machte Verluste. Doch die Verbraucher hatten aus der zweiten Preiskrise’seit 1973 endlich ihre Lektion gelernt. Es wurde am Öl gestört wie nie zuvor. Die Bundesregierung erhob die Devise "weg vom Öl" zur energiepolitischen Maxime. Der Absatz der Ölraffineure ging drastisch zurück. 1979 hatte die Bundesrepublik noch 146,7 Millionen Tonnen Rohöl verbraucht, in diesem Jahr werden es nur noch 110 Millionen Tonnen sein.

Dieser drastische Einbruch hätte für die Ölfirmen zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Denn die Erwartungen und die daraus resultierenden Investitionen wiesen genau in die Gegenrichtung. Anfang der siebziger Jahre glaubten die Ölmanager, daß die Bundesrepublik Anfang der achtziger Jahre knapp 200 Millionen Tonnen Öl jährlich verbrauchen würde. Deshalb hatte die Branche seit der 73er Ölkrise unverdrossen weiter Geld in Raffinerien gesteckt und die Kapazitäten erweitert, die 1979 fast 160 Millionen Tonnen erreichten – viel zu viel für den schrumpfenden Markt.