DIE ZEIT

Großer Stock

Mehr als tausend Kubaner haben im November Nicaragua verlassen. Ende dieser Woche will die sandinistische Führung den Termin der lange verschobenen Wahlen bekanntgeben.

Ein Mann der Zukunft

Nichts gegen Karl Carstens – er hat als Bundespräsident in der nun hinter uns liegenden, im großen und ganzen durch Konsens gekennzeichneten Zeit eine gute Figur gemacht.

Deutscher Raumfüller

Nun darf sich also auch die Bundesrepublik eine raumfahrende Nation nennen. Gewiß, wer kennt noch die Namen der Astronauten, nennt die Kapseln der amerikanischen und russischen Flüge ins All.

Finger weg von Goethe!

Wer den Auftrag hat, deutsche Kultur und ein den Wirklichkeiten entsprechendes Deutschlandbild im Ausland zu vermitteln, lebt anfechtbar.

Besorgniserregend

Alexander Schuberts Prozeßerfolg beim Dritten Strafsenat des Bundesgerichtshofes dürfte sich bald als zu früh beklatschter Pyrrhussieg herausstellen.

Worte der Woche

"Wenn die USA und andere Nato-Länder ihre Bereitschaft bekunden, zu der Lage zurückzukehren, wie sie vor Beginn der Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Europa bestand, wird auch die Sowjetunion dazu bereit sein.

Zeitspiegel

Brasilien – schon von Auslandsschulden und Arbeitslosigkeit geplagt – muß sich allmählich auf ein drittes Problem einrichten: Von den 45 Million nen Brasilianern im arbeitsfähigen Alter sollen bereits 40 Prozent im "informellen Sektor" arbeiten – womit "Schwarzarbeiter" und jene Kleingewerbetreibenden beschrieben werden, die zwar überleben, aber weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Bestechung oder Bestechlichkeit erhoben, auch gegen Graf Lambsdorff: Ein Dienstag, der Bonn erbeben ließ

Bonn, im November Die verheerende Botschaft erreichte den Minister im Brüsseler Charlemagne. Dort, im 16. Stock des Europäischen Ratsgebäudes, beriet Otto Graf Lambsdorff gerade mit seinen EG-Kollegen über die Stahlkrise der Gemeinschaft, als ihm sein persönlicher Referent die Kunde überbrachte: angeklagt! Und das nicht nur, wie erwartet, wegen Vorteilsannahme, sondern sogar wegen Bestechlichkeit.

Wege aus der Spannung

Die Entscheidungen der Parlamente in London und Rom, vor allem aber in Bonn zur westlichen Nachrüstung sind gefallen. Von Tokio und Singapur bis zu den Hauptstädten Westeuropas und Washington ist infolgedessen ein gewisses Maß an Erleichterung eingetreten: Der Westen hat angesichts der großangelegten psychopolitischen Herausforderung durch die russische Weltmacht seine Solidarität und politische Handlungsfähigkeit bewahrt.

Ost-West-Verhältnis: Maßvolles aus Moskau

Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht – oder, um in der ost-westlichen Eiszeit-Metaphorik der letzten Wochen zu bleiben: Auch das Tiefgefrorene aus Moskau wird nicht so kalt serviert, wie es die Gefrier-Spezialisten des Kreml anrichten.

Wolfgang Ebert: Bittere Pillen

"Leider nein. Es klingt vielleicht absurd, aber vor dem Eintreffen der ersten Pershings fühlte ich mich bedeutend sicherer. Und Ihre Dregger-Beruhigungstropfen nach dem Rezept ‚Moskau versteht nur eine Politik der Stärke‘ hatten nur die Wirkung, daß ich jetzt überhaupt nicht mehr schlafen kann.

Gipfel unter dunklen Wolken

Wenn die europäischen Regierungschefs an diesem Wochenende in Athen zusammentreffen, begleiten sie keine Fanfarenklänge, Europa gibt sich kleinlaut.

London: Setzer blockieren Zeitungen

Wie so oft bei britischen Streiks wurde eine Maus zum Elefanten. Darin besteht das zeitlos verläßliche Wachstum der Insel. Weil ein Verleger kostenloser Anzeigenblätter in Stockport und Umgebung sechs Setzer entließ, die gegen das Einstellen nichtgewerkscnaftlicher Arbeitskräfte protestierten, erschienen am Wochenende in London keine Zeitungen.

Gegen Hitler: Wir waren keine Helden

Ein mutiger Deutscher, einer von denen, die es wagten, die Kräfte des Bösen herauszufordern." Daß es wenige waren, in einer Zeit, in der ohne massenhafte Gleichgültigkeit, Zustimmung und – sei es nur passive Mitarbeit das ungeheuerliche Morden nicht möglich gewesen wäre – auch das sagte Israels Botschafter in Rom als er jetzt einen Mann mit der "Medaille der Gerechten" auszeichnete, der schüchtern, fast in sich versunken vor ihm stand.

Japan: Vor den Wahlen

Der Streit in der japanischen Regierungspartei nach der Verurteilung des früheren Ministerpräsidenten Tanaka macht Neuwahlen unumgänglich.

Zwischen Pflichten und Neigungen

Weizsäcker: Das war eine Wahl zwischen zwei Pflichten und zwei Neigungen. Für mich war das Amt in Berlin eine große Herausforderung und ein entscheidend wichtiges Kapitel.

Ben Witter: Angetippt

Was ernst ist, muß bekanntlich auch Tiefe haben", sagte ich, obgleich gar nichts ernst war. Aber sofort sagte mir sein Gesicht, wie ernst es sein kann, und ich sagte, daß Tiefe ja auch nicht unbedingt ernst machen muß, wir jedoch immer auf den Ernstfall vorbereitet seien, ob im Auto, im Flugzeug, am Krankenbett oder am Schreibtisch, und Kindern unsere ernsten Gesichter oft mehr Angst einjagten, als die Sirene eines Unfallwagens Sein Gesichtsausdruck wurde noch ernster, denn er sprach vom Krieg, der jetzt genauso hereinplatzen könnte wie ein Unfall-Wagen.

Sauberes Geld?

Männer in Spitzenpositionen der Wirtschaft haben auch in der Weimarer Republik Regierungsämter übernommen. Walter Rathenau, Präsident der AEG, eines der größten deutschen Unternehmen, wurde 1920 Wiederaufbaummister und einige Monate später Reichsminister des Auswärtigen.

Beten gegen Raketen

Manfred Semrau begrüßte mich im Restaurant des Internationalen Pressezentrums in Ost-Berlin – nicht im VEB Elektro-Apparatewerke, wo er als Gruppenleiter im Organisations- und Rechenzentrum arbeitet; auch nicht bei seinem Kampfgruppen-Bataillon, dessen Kommandeur er ist.

Naher Osten: Jassir Arafats letzte Schlacht

Hat Ariel Scharon, der zum Rücktritt gezwungene israelische Verteidigungsminister, doch gesiegt? Als er letztes Jahr den Libanon mit seinem Krieg überzog, wollte er seinen Erzfeind, den Palästinenserführer Jassir Arafat, schlagen und die Palästinenser in den besetzten Gebieten ihres Idols berauben.

Mut zu eigenen Ideen

Die Liberalen besinnen sich auf das große "L". Gut ein Jahr nach dem Koalitionswechsel wagen sie sich endlich mit eigenen Vorschlägen zur Gestaltung der Wirtschaftspolitik an die Öffentlichkeit, ohne sich zuvor ängstlich bei dem großen Partner erkundigt zu haben, ob die Gedankenfreiheit auch genehm ist.

Der falsche Mann

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Bonner Kulisse

Es nicht jedermanns Sache, sich für ein Viertel oder gar nur ein Fünftel seines bisherigen Einkommens beschäftigen zu lassen.

Goldraub: Ökonomie?

Beim Londoner Goldraub sind 3800 Barren im Wert von gut hundert Millionen Mark entwendet worden. Was hat die sechs maskierten Räuber zu ihrer Tat veranlaßt? Wir gehen von der Hypothese aus, daß jeder Gangster auch ein homo oeconomicus ist.

Europäische Gemeinschaft: Papierberg

Mangelnde Kreativität kann man den europäischen Beamten in Brüssel wirklich nicht vorwerfen. Wenn es um neue kostspielige Bürokratien geht, kennt ihr Einfallsreichtum keine Grenzen.

Nach Ihnen, Herr Stoltenberg

Entscheidungen über die Zukunft der Bundesbahn haben es an sich, vertagt zu werden oder – selbst im günstigsten Falle – unklar und unvollständig zu sein.

Bauherrenmodell: Versäumnis

Es gibt kaum eine aufwendigere Methode, den Bau von Wohnungen zu fördern, als mit Steuergeschenken im Rahmen von Bauherrenmodellen.

Werftenfusion: Wie eine Seifenblase zerplatzt

Bremens Bürgermeister Hans Koschnick ist "bestürzt" und vor allem "enttäuscht"; Bremens Finanzsenator Moritz Thape sieht – wegen der auf den Haushalt zukommenden Belastungen "schwarz"; Bremens Werftarbeiter haben Angst und Norbert Henke, Chef der Werft Bremer Vulkan, ist wütend wie selten: "Eine Art und Weise, wie die Werftenfusion behandelt und jetzt abgelehnt wurde, ist schlicht eine Sauerei.

Umschuldungen: Erreichen wir das rettende Ufer?

Die Bankiers schauten etwas betreten drein, als Karl Schiller, der ehemalige Bundeswirtschafts- und Finanzminister, zu bedenken gab, ob nicht ein Schuldenabkommen mit partiellem Schuldenerlaß der gebotene Ausweg aus der internationalen Schuldenkrise sei.

MANAGER UND MÄRKTE

"Wer sich mit einer Mehrheit von 95 Prozent wählen läßt, der kann sicher sein, daß der Verein hinter ihm steht." Der das sagt, ist der Wolfenbütteler Jägermeister-Fabrikant Günter Mast, der am Montag dieser Woche mit dieser satten Mehrheit zum Präsidenten von Eintracht Braunschweig gekürt wurde.

Verstärkung bekommen

Krupp: In der Tat besteht in wichtigen Grundsatzfragen im Rat keine einheitlichen Meinung. Da ist einmal die Frage von Art und Tempo des Konsolidierungskurses, zum zweiten die Frage, wie eng sich die Geldpolitik an einem einzigen Geldmengenkonzept orientieren sollte, und schließlich die Frage der Rollenverteilung in der Wirtschaftspolitik.

Mineralölindustrie: Die große Pleite

Wenn der November naht, lädt Sir Christopher Laidlaw, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen BP, zur außerordentlichen Hauptversammlung in Hamburg ein.

SMH-Bank: Man spricht von Galgenfrist

Zum erstenmal in seiner Geschichte besitzt der Bundesverband deutscher Banken eine eigene Bank. Der Einlagensicherungsfonds, eine Tochter des Bundesverbandes, hat eine neue Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, die bei der durch eine Rettungsaktion aufgefangenen Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co.

Wörner rüstet ab

Der Verteidigungsminister läßt zu, was er an seinem Vorgänger kritisiert hat

+ Weitere Artikel anzeigen