Sie hätte mehr aus sich machen lassen können, aber sie war keine Galionsfigur. Sie hatte keine Auftritte, wo immer sie erschien, sie war einfach da. Klein an Gestalt, ging sie schon lange gebeugt, als wollte sie sich noch kleiner machen vor ihrer großen Leidenschaft, dem Kino. Dafür hat Lotte H. Eisner gerackert, das hat sie immer wieder zum Leben erweckt. Zuletzt noch 1974, als Werner Herzog für ihr Leben auf Pilgerschaft ging, von München nach Paris. Er hat sie dann auch mit der ihm eigenen Unbefangenheit großen Gesten gegenüber als das letzte Mammut bezeichnet, als sie im März 1982 in Düsseldorf den Helmut-Käutner-Preis bekam.

Was sie geleistet hat, läßt sich aufschreiben und doch nicht messen. Man könnte nachlesen, wenn es einen Verlag dafür gäbe, was sie im „Filmkurier“ geschrieben hat, bis sie 1933 Berlin und Deutschland verlassen mußte. Man sollte ihre Bücher lesen, über Lang und Murnau und die „Dämonische Leinwand“, Bücher, die Maßstäbe der Zuwendung und Genauigkeit setzen – und der Bescheidenheit, die dem Stil verbietet, sich vor den Gegenstand zu drängeln.

Nicht nachgelesen aber werden kann, was sie in der Cinematheque Française aufgelesen und erhalten hat. Daß es Filmgeschichte gibt, ist nicht zuletzt dieser Arbeiterin zu danken, die im Alter von 87 Jahren gestorben ist, nachdem sie selbst schon Filmgeschichte geworden war.

Peter W. Jansen