Mangelnde Kreativität kann man den europäischen Beamten in Brüssel wirklich nicht vorwerfen. Wenn es um neue kostspielige Bürokratien geht, kennt ihr Einfallsreichtum keine Grenzen. Dem werden wir es denn auch verdanken, wenn sich neben dem europäischen Milchsee und Butterberg bald noch ein Gebirge aus verrottetem Altpapier auftürmt.

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaft (EG) will nämlich nach den Bauern auch die Altpapierhändler vor den Schrecken der Marktwirtschaft bewahren. Sie tüftelt an einem Vorschlag zur Marktstützung. Der Grund: Besonders bei dem nicht sehr hochwertigen Altpapier aus den Privathaushalten fehlt es derzeit an Abnehmern. Die von den Bürgern sorgsam gebündelten Zeitungen und Zeitschriften können in vielen Städten oft nicht mehr zum Recycling, sondern nur noch direkt auf den Müllplatz befördert werden.

Die Brüsseler Kommission plant deshalb, das Papier aufzukaufen und anstatt auf dem Müll in einem Ausgleichslager zu stapeln bis Kunden kommen. Ein Punkt macht den Recycling-Fanatikern dabei allerdings zu schaffen: Schon nach einem halben Jahr fangen die Altpapierberge an zu verrotten. Doch EG-Beamte lassen sich von harten Realitäten nicht so leicht erschüttern. Sie arbeiten schon seit vier Jahren an den Details des Altpapier-Vorschlags. So leicht geben die, wie man sieht, nicht auf. iml