Der Rettungsplan für Bremens Schiffbau scheiterte, weil Bonn nicht zahlen will

Bremens Bürgermeister Hans Koschnick ist "bestürzt" und vor allem "enttäuscht"; Bremens Finanzsenator Moritz Thape sieht – wegen der auf den Haushalt zukommenden Belastungen "schwarz"; Bremens Werftarbeiter haben Angst und Norbert Henke, Chef der Werft Bremer Vulkan, ist wütend wie selten: "Eine Art und Weise, wie die Werftenfusion behandelt und jetzt abgelehnt wurde, ist schlicht eine Sauerei."

Dem können Politiker und Werftarbeiter des kleinsten Bundeslandes nur – mehr oder weniger hilflos – zustimmen. All ihre Hoffnungen zerplatzten am Montagabend wie eine Seifenblase: Da erklärte Bundeskanzler Helmut Kohl in Bonn nämlich dem aus Bremen angereisten Bürgermeister Koschnick unumwunden, die Bundesregierung könne die geplante Werftenfusion finanziell nicht unterstützen. Als Begründung nannte er die Ablehnung all der vielen kleineren und mittleren Werften, die von einer Großwerft in Bremen Wettbewerbsverzerrungen befürchten.

"Das ist doch bloß ein vorgeschobener Grund", sagen Werftmanager. Der Verdacht liegt nahe, daß sich dieses Argument als letztes "Schlupfloch" für den Bundeswirtschaftsminister" (Koschnick) erwies: Immerhin hatten sich Werftmanager und Anteilseigner (Krupp gehören die AG Weser in Gröpelingen und die Seebeck-Werft in Bremerhaven, Hapag-Lloyd hat in Bremerhaven eine Reparaturwerft und das Land Bremen ist gemeinsam mit Thyssen-Bornemisza Eigentümer des Bremer Vulkan) nach monatelangem Tauziehen auf das von der Bundesregierung ausbedungene "gemeinsame, zukunftsträchtige Werftenkonzept" geeinigt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treuarbeit attestierte kurze Zeit später die – ebenfalls von Bonn geforderte – "Tragfähigkeit" des Rettungsplans. Eine "Vorleistung" wird sogar schon in die Tat umgesetzt: Bremens traditionsreichste Werft, die AG Weser in Gröpelingen, macht zum Ende des Jahres ihre Tore zu.

Während des Bürgerschaftswahlkampfes gab es zahlreiche Hilfszusagen von Bundesregierungs-Mitgliedern, "wenn Senat und Eigner tragfähige Konzepte vorlegen" (CDU-Wahljournal im September). So vertrauten Bremer Politiker und Werftarbeiter gemeinsam darauf, daß die Bundesregierung sich an den Kosten der Werftenfusion beteiligen würde. Sie machten folgende Rechnung auf: Von den 230 notwendigen Millionen übernehmen die Werfteigner eine Hälfte; die restlichen 115 Millionen leisten zu einem Viertel das Land Bremen, zu drei Vierteln der Bund. "Ohne die Bundeshilfe", so signalisierte ein Werftmanager schon im Sommer, "sind alle Pläne Makulatur."

Das ist nun der Fall. "Eine fusionierte Großwerft hätte doch den kleinen und mittleren Schiffbauplätzen sicher keine Konkurrenz gemacht", ärgert sich denn auch Bürgermeister Koschnick. Er fürchtet, daß die verschärfte Konkurrenz nun erst recht eintreten könnte: "Seebeck und Hapag Lloyd werden sich nun sicher – wenn sie allein überleben wollen – auch auf den Feldern tummeln, die bisher kleineren Werften allein überlassen waren."

Wen also schützt die Bonner Ablehnung einer Bremer Großwerft? Womöglich ist diese Entscheidung der Bundesregierung der erste große Schritt auf dem Weg zur radikalen Lösung aller bundesdeutschen Werftenprobleme – ein Weg, an dessen Ende nur eine einzige Werft überlebt – die bundeseigene Howaldt-Werke Deutsche Werft (HDW) in Kiel. "Der Nutznießer ist sicher eindeutig HDW", gab auch Bürgermeister Koschnick auf Nachfrage zu.

Aber die Bremer sind wild entschlossen, die Schiffbauzukunft noch nicht ganz abzuschreiben: "Wir Vorstände werden jetzt erst einmal bei unseren Eignern abklären, ob sie grundsätzlich noch zu ihren Zusagen stehen. Dann bereiten wir – auf dieser veränderten Basis – ganz schnell ein neues Konzept vor", berichtete Vulkan-Manager Norbert Henke. Er gibt sich noch nicht geschlagen: "Wir werden uns verdammt anstrengen", versprach er. Helgard Köhne