Solche Verträge sind aber bedeutsam. Die Beschaffung eines neuen Waffensystems ist nämlich nur eine Seite ihres Einsatzes. MdB Wimmer: "Die Beschaffungskosten liegen inklusive der Erstausstattung mit Ersatzteilen bei dreißig Prozent der Gesamtkosten, die für die gesamte Nutzungsphase anzusetzen sind."

Die Beschaffung von Waffen aus amerikanischer Produktion ist den Parlamentariern im Bonner Verteidigungsausschuß überdies ein weiteres Ärgernis, so daß Manfred Wörner auch hier mit zusätzlichem persönlichen Streß rechnen muß. Der Grund: Die Amerikaner reden zwar stets über die Notwendigkeit einer Zweibahnstraße beim Nato-Waffenhandel. Praktische Taten bleiben indes aus. So gibt es beispielsweise eine Regierungsabmachung zwischen Bonn und Washington über Gemeinsamkeiten bei der Luftverteidigung Europas. Gegenstand der Abmachung: Für die Raumdeckung vor feindlichen Luftangriffen führt die Bundeswehr das amerikanische Flugabwehrsystem "Patriot" ein, die amerikanischen Streitkräfte nehmen dafür als Objektschutz auf ihren europäischen Basen das deutsch-französische Flugabwehrsystem "Roland". Die Kosten: 5,8 Milliarden Mark. Inzwischen wird das Geschäft auf Gegenseitigkeit im amerikanischen Kongreß derart hintertrieben, daß erhebliche Zweifel bestehen, ob es noch zustande kommt. Verlierer wird in jedem Fall der deutsche Verteidigungsminister sein. Weil es für das US-System "Patriot" keinen vergleichbaren Ersatz gibt, müßte er nämlich in jedem Fall darauf zurückgreifen.

Als hätte Wörner mit all dem nicht schon genug Ungemach, muß er sich nun auch noch mit dem Bundesrechnungshof abplagen. Der stellte nicht nur in seinen jüngsten Bemerkungen fest, daß im Beschaffungswesen des Koblenzer Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung geschlampt wird, ihm sind offenbar auch generell Zweifel gekommen, ob die Organisation im Verteidigungsministerium noch stimmt. Der CDU-Abgeordnete Lutz Stavenhagen: "Im nächsten Jahr prüft der Rechnungshof die Organisation. Angefangen wird bei der Rüstungsabteilung."

Tatsächlich ist das der wunde Punkt im Verteidigungsministerium. Nachdem Wörner es bei der Übernahme des Amtes verschmähte, die bekannten Management-Mangel mit dem geplanten Rezept seines Vorgängers, nämlich der Einführung eines Controlling-Systems, abzustellen, bietet sich ihm mit der Rechnungshofprüfung nun eine zweite Gelegenheit, doch noch rechtzeitig aus den vielen Pannen der Vorgänger zu lernen. Einen ersten Erfolg kann er sogar melden: Nach beinahe einjährigem Gerangel hat die Regierungskoalition dem Minister einen dritten beamteten Staatssekretär bewilligt, der ausschließlich für die Rüstung zuständig sein soll. Damit ist Wörner dort angelangt, wo Hans Apel aufgehört hat. Der wollte nämlich neben den beiden vorhandenen beamteten Staatssekretären einen Controller installieren, der genauso besoldet werden sollte wie ein Staatssekretär. Kostenpunkt: rund 170 000 Mark pro Jahr. Für den Ex-Manager von GHH, Manfred Lennings, den Wörner sich als dritten Mann ausgeguckt hat, nicht gerade viel Geld. Tut er es dennoch dafür, wird Wörner manche Sorgen los.