Enttäuschend

„Furyo – Man Christmas, Mr. Lawrence“ von Nagisa Oshima. – Bislang haben wir den Regisseur der Filme „Im Reich der Sinne“ und „Im Reich der Leidenschaft“ für einen großen Regisseur gehalten. Sein jüngstes Werk, das eigentlich „Im Reich der Gewalt“ heißen müßte, ist nicht nur mißglückt, sondern legt auch den Verdacht nahe, Oshima sei bislang überschätzt worden; zuletzt von jenen, die nach der Premiere des Films in Cannes lobende Kritiken schrieben. Schauplatz: ein japanisches Kriegsgefangenenlager auf Java 1942. Personen: japanische Wächter, und ihr Chef Yonoi (Ryuichi Sakamato), englische Kriegsgefangene und ihr Major Celliers (David Bowie). Thema: Blut und Hoden. Form: platter Realismus. Es gelingt Oshima nicht, die homosexuelle Liebe zwischen Yonoi und Celliers plausibel zu zeigen. Auch der Zusammenstoß zweier Kulturen, der englischen und der japanischen, bleibt bloße Behauptung. Oshima, zu dessen Methode es gehört, große Themen wie Liebe und Tod quasi in der direttissima zu besteigen, geht auch hier aufs Ganze: Härte, Gewalt, Brutalität und viel Blut gehören zu den Ritualen dieser Männerwelt. Aber die oberflächliche Perfektion der Inszenierung betreibt in Wahrheit nur die Affirmation dessen, was der Film zu kritisieren vorgibt. Im Rückblick kommt es einem vor, als hätten auch die früheren Filme Oshimas diesen Mangel gehabt: daß die ästhetischen Mittel hinter der Gewalt seiner Themen weit zurückbleiben.

Ulrich Greiner

Konstruiert

„Fahrstuhl des Grauens“ von Dick Maas (Regie, Buch und Musik): ein Genrefilm aus Holland mit einem Handwerker als Helden. In einem modernen Hochhaus genügt es einem Lift nicht mehr, einfach zu funktionieren. Er entwickelt ein Eigenleben. So hält er sich auch nicht immer daran, eine Kabine bereitzustellen, wenn er seine Türen öffnet. Für einige Menschen endet das tödlich. Daß die Dinge sich selbständig machen und dadurch die Menschen bedrohen, ist ein alter Topos des Horrorfilms. Er verstärkt die unbewußten Ängste, indem er alltägliche Sicherheiten zum Einsturz bringt. Wer hat heutzutage noch Angst vorm Lift? Doch der Film nutzt diese Situation nicht, um eine Atmosphäre von unterschwelliger Bedrohung zu komponieren, sondern nur, um mit kurzen, überraschenden Schocks zu erschrecken. Darüber hinaus bleiben auch die Episoden, die der Erholung vom Schrecken dienen, seltsam kalt und konstruiert. Da verläßt die Ehefrau ihren Mann, weil ihre Freundin ihn mit einer anderen Frau beim Kaffeetrinken gesehen hat. Da blättert der leitende Polizist in seinem Urlaubsprospekt, nachdem er den Fall vorschnell abgeschlossen hat. Und da erzählt ein Wissenschaftler von neuen Computern, die aus biologischen Teilen zusammengesetzt seien – und löst damit das Rätsel um den Lift. Der Film entwickelt, besonders im Einschnitt von kurzen Detaileinstellungen, eine technische Raffinesse, die an US-Genrefilme erinnert. Nie aber erreicht er deren Beiläufigkeit, die selbst das Unwahrscheinlichste so selbstverständlich machen. Am Ende, nachdem der Computerfachmann mit einer Pistole auf sein eigenes Produkt geschossen hat, rächt der Lift sich noch – ziemlich konventionell, aber wirkungsvoll. Es gibt ein Computerleben nach dem Tode. Norbert Grob

Clever

„Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ von Richard Marquand bringt endlich den Pop-Mystifizismus dieser interstellaren Ödipus-Fabel zum langersehnten Abschluß: als letztes Kapitel von Georg Lucas’ „Star Wars“-Opus über die Lehr- und Wanderjahre von Luke Skywalker, dem galaktischen Galahad auf der Suche nach dem Vater. In „Krieg der Sterne“ (1977: Episode IV des von Lucas bis zum Jahre 2001 auf insgesamt neun Filme geplanten Epos vom Untergang und Aufstieg der Jedi-Ritter) fand Luke in Ben Kenobi seinen Adoptivvater; in „Das Imperium schlägt zurück“ (1980: Episode V) in dem gummigesichtigen Guru Yoda seinen spirituellen Vater und Lehrmeister für richtiges Jeditum; und hier (in Episode VI) wird er mit seinem leiblichen Vater konfrontiert. Die alte Gang ist wieder da (sichtlich älter geworden, aber nicht erwachsener), und alle losen Fäden werden verknüpft. Die Fans zwischen acht und achtzig wird es freuen, da „Return of the Jedi“ vom bewährten Formelhaften noch mehr denn je bietet; mit mehr Trickeffekten aufzuwarten hat (942 gegenüber 545 in „Star Wars“); noch mehr Konglomerat ist aus Kriegsfilm-Klischees und Piratenfilm-Heroik, Robin Hood und Tarzan, Muppet-Show-Niedlichkeiten und Science-Fantasy-Schmock; mehr enthüllt (endlich sieht man die bislang stets hochgeschlossene Prinzessin Leia im Bikini und blickt hinter die schwarze Maske von Darth Vader). Der Film offenbart alles über die verwirrenden Verwandtschaftsverhältnisse von Luke und löst damit endlich das stagnierende romantische Dreieck Luke Skywalker – Prinzessin Leia – Han Solo zur Zweierbeziehung auf. „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ könnte treffender „Die Rache der Teddybären“ heißen, denn prägnanter als die (menschlichen) Darsteller sind die Puppen: groteske Monster wie die geifernde Gangsterkröte Jabba the Hutt, eine Mischung aus Lewis Carrolls/John Tenniels „Humpty Dumpty“ und Sydney Greenstreet, oder die „Ewoks“, possierliche Teddies mit dem Temperament von Terriern. Sie lassen sich auch weitaus günstiger vermarkten.