DIE ZEIT

Leere Kassen

Der Gipfel der zehn Regierungschefs in Athen ist gescheitert. Er sollte eine Lösung für die maroden Agrarfinanzen der EG bringen und das europäische Schiff wieder flottmachen.

Heimkehr

Die lausigsten Tennisspieler haben immer die teuersten Schläger, und gerade diejenigen Leute, die nichts vom Tisch bringen, fertigen jeden Tag lange Listen an mit der Überschrift "Erledigen".

Der Aufschwung – ein Silberstreif

Besser hätte es sich für die Bundesregierung gar nicht fügen können. Rechtzeitig zur wirtschaftspolitischen Generalabrechnung, zu der die Haushaltsdebatte des Bundestages von den Parteien stets genutzt wird, wurde der Horizont geradezu verschwenderisch mit den berühmten Silberstreifen dekoriert.

Rechtsblind

Springers Welt nannte es beschönigend eine "harte Kritik am bisherigen Verfahren", was CSU-Generalsekretär Gerold Tandler über die Bonner Staatsanwälte zu verbreiten wußte, die Graf Lambsdorff wegen Bestechlichkeit angeklagt haben: Die Verfahrensweise der Ankläger, so Tandler, nötige ihm "fast den Verdacht auf, daß hier bewußt oder unbewußt in einem anderen Bereich so gehandelt wird, wie es andere mit der Exekution von Ponto und Schleyer vorgenommen haben".

Abstand tut not

Die Welt weiß mittlerweile, daß die amerikanische Invasion auf der Karibikinsel Grenada kein Ausrutscher war: Unter den gleichen Umständen, so ließ sich Ronald Reagan vor ein paar Tagen vernehmen, werde er sich zum Eingreifen auch in anderen Ländern entschließen.

Zeitspiegel

Der Winter in Rumänien wird ungemütlich. Um einen völligen Zusammenbruch der Energieversorgung zu vermeiden, hat die Regierung ihren Bürgern ein rigoroses Sparprogramm verordnet.

Neuer Nato-Generalsekretär: Ein zäher Diplomat für das Bündnis

Das ist die seit langem seltsamste Karriere der westlichen Welt: Der Mann, den das Nato-Atomland Großbritannien im Frühjahr 1982 zwang, seinen Hut zu nehmen, weil er angeblich vom argentinischen Angriff auf die Falkland-Inseln ein paar Tage zu spät Wind bekam, wird nun im Dezember 1983 ohne Gegenkandidaten zum Generalsekretär des gesamten Nato-Bündnisses gewählt, einer Organisation also, zu deren wichtigem Bestreben es gehört, von einem Atomangriff auf den Westen jene Minuten früher zu erfahren, die alles entscheiden können.

Ohne Biesen und Lametta

Die Bonner Diplomaten und Militärs sind bei der Nato lange Zeit sehr bescheiden aufgetreten. Nur schrittweise wurde ihr Kontingent zum "Stabselement".

Parteienfinanzierung: Selbstbedienung

Geschmackloser hätte die Inszenierung nicht sein können. In derselben Woche, in der er den FDP-Abgeordneten Graf Lambsdorff zur Strafverfolgung wegen Bestechlichkeit freigab, eröffnete der Bundestag den größten Selbstbedienungs-Basar für die Parteien seit dem Bestehen der Republik: Noch vor Weihnachten bekommen sie einen Nachschlag von 45 Millionen Mark aus der Staatskasse für den Wahlkampf vom vergangenen März.

Wolfgang Ebert: Abgebrüht

"Es ist schon so, wie ich Ihnen erzählt habe. Es scheint nichts mehr zu geben, was mich aus der Fassung bringt. Dabei bin ich eine ganz normale schreckhafte Frau, die leicht in Panik geriet, aber das ist alles vorbei.

Ökumenische Fußangeln

Es sei ein "ganz lokales" Ereignis, beileibe kein welt- oder kirchengeschichtliches, so wollte der Pastor glauben machen und ließ noch Tage vorher öffentlich wissen: "Ich muß ehrlicherweise zugeben, daß der Gemeindevorstand sagte, er würde sich freuen; trotzdem sage ich nicht, daß es eine Einladung ist.

Mittelamerika: Unklarer Kurs

Die amerikanische Regierung verweigerte in der vergangenen Woche sowohl dem rechtsradikalen Präsidenten der Verfassunggebenden Versammlung El Salvadors, Robert d’Aubuisson, als auch dem Innenminister Nicaraguas, Tomas Borge, das Einreise-Visum.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Nach der Aufhebung der parlamentarischen Immunität von Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff will die SPD im Bundestag eine Entschließung einbringen, die ihn zum Rücktritt auffordert.

Eine Antwort auf Ulrich von Alemann: Panik und Gejammer

Über Objektivität bei der Deutung sozialer Vorgänge läßt sich lange streiten. Immer wieder amüsiert auch die Selbstsicherheit, mit der Sozialwissenschaftler – die ja in Entlarvungsstrategien geübt sind – die Motive anderer Leute genau zu kennen vorgeben.

Blind und taub

Helmut Kohl hat zuwege gebracht, was niemand mehr für dieses Jahr erwartete. Ihm ist es gelungen, Sowjets und Amerikaner kurz nach dem Zusammenbruch der Genfer Verhandlungen über Mittelstreckenraketen doch noch zu einer einhelligen Reaktion zu bringen.

Auf Gewalt verzichten

Es ist erfreulich, daß der Kommentator der sowjetischen Zeitung "Neue Zeit" darüber nachdenkt, wie man durch Verhandlungen zu einem Stopp des Wettrüstens gelangen kann.

Vor allem werden Kosten erbrütet...

Als "ein überaus wichtiges Buch" haben wir in der vorigen ZEIT (Nr. 49, Literatur-Beilage S. 24) die Untersuchung von Alexander Roßnagel vorgestellt: "Bedroht die Kernenergie unsere Freiheit", (Beck, München 1983, 317 S.

Mitgesungen: Bloß die dritte Strophe?

Dem SPD-Abgeordneten Udo Lumma schwante Böses. Hat der Minister für Wirtschaft, Jürgen Westphal, etwa etwas gesungen, was er gar nicht hätte singen dürfen? Der schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete reichte, seinem Gewissen folgend, deshalb eine Kleine Anfrage ein.

Kann den Reden Sünde sein?

Der Taxifahrer weiß nicht, ob die drei leichtbekleideten Damen in den knielangen Schaftstiefeln, ob sie, die bei Nacht und Kälte am grellerleuchteten Supermarkt lehnen, der Straßenstrich von Pinneberg sind.

Mit Zwang in die Rente?

Im kommenden Jahr werden viele Politiker, Gewerkschafter und Arbeitnehmer um eine zwar schmerzliche aber doch wohl wichtige Erfahrung reicher – um die Erfahrung, daß die zu erwartende Verkürzung der Arbeitszeit keineswegs, wie es eine millionenköpfige Laienspielschar behauptet oder glaubt, die Arbeitslosigkeit lindert, sondern sie, im günstigsten Fall, nicht noch weiter verschärft.

Die zerstrittenen Kollegen

An ihrem button kann man sie erkennen. Mehr als Worte dokumentieren diese Abzeichen am Jackett, was ihre Träger offiziell nicht wahrhaben wollen: die Auseinandersetzung im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) um den richtigen Weg der Arbeitszeitverkürzung.

Lufthansa: Verdrehte Welt

Daß der Staat ein schlechter Unternehmer ist, gilt heute in regierenden Kreisen als Allgemeinplatz. Man braucht ja den Finger nur auf die Bundesbahn zu richten, deren Buchhalter seit Jahren nur noch rote Tinte geliefert bekommen.

Verkabelung: Drahtlos

In Bonn kabelt es mal wieder. Kaum ist zwischen Postminister und Bonns Oberbürgermeister klar, daß die Hauptstadt bis 1988 voll verkabelt wird, da funkt der WDR aus Köln "Vorsicht Falle" zurück.

Bonner Kulisse

Entwicklungsminister Jürgen hat sich nun entgegen allen Erwartungen – doch dafür entschieden, die Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (DEG) in Köln zu politisieren.

Waldsterben: Wundermittel

Kaum ist die Kunde vom sterbenden deutschen Wald in alle Haushalte gedrungen, kaum hat die Angst vor dem Baumsterben auch die Kleingärtner gepackt, schon machen sich geschäftstüchtige Firmen daran, aus dem neuen Umweltbewußtsein Geld zu schlagen.

Ein ewiger Anfänger

Er muß gewußt haben, was er da sagte. "Als ich 1981 zu Hertie kam", so beschrieb Bruno Lippmann. Vorstandschef beim viertgrößten Warenhauskonzern, in einem Interview mit dem Industriemagazin seine eigene Rolle, "war die Belegschaft völlig resigniert.

Arbeitszeitordnung: "Hinter NS-Recht zurück"

Geradezu grotesk", befindet Friedhelm Farthmann, Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen, seien angesichts der hohen Arbeitslosigkeit die Pläne des Bundesarbeitsministers Norbert Blüm, mit einem neuen Arbeitszeitrecht gesetzlich die Möglichkeit zu eröffnen, die Arbeitszeit für alle Arbeitnehmer drastisch zu verlängern.

Stärkere Kontrolle

ZEIT: Um den Stahlmarkt besser in den Griff zu bekommen, will die Europäische Kommission Mindestpreise vorschreiben und die grenzüberschreitenden Mengen kontrollieren.

MANAGER UND MÄRKTE

Angesichts der Verzagtheit von Verkehrsminister Werner Dollinger, der sich zu einem überzeugenden Konzept für die Sanierung der Deutschen Bundesbahn nicht hat durchringen wollen, müssen die Bahn-Manager auch schon mit kleinen Erfolgen zufrieden sein.

Beschäftigungskrise: Radikal oder angepaßt?

Was würden Politiker, Gewerkschafter und Arbeitgeber sagen, wenn Arbeitslose im Winter dazu übergingen, ihre Forderung nach neuen Arbeitsplätzen mit radikaleren Protestformen zu kombinieren? Man stelle sich nur vor, Arbeitslose besetzten Arbeitgeber- und Gewerkschaftshäuser und fordern, daß in der laufenden Tarif runde darüber verhandelt werden müsse, wie neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Wirtschaftspolitik: Vormarsch der Planer

Die Statistiken geben Ronald Reagan und Margaret Thatcher recht. Trotz aller Fehlschläge und Schwierigkeiten wächst – wie sie befürchten – die Zahl der Staaten, die es nicht den Kräften des Marktes überlassen wollen, die Entwicklung der Wirtschaft zu steuern.

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