Am 30. November 1983 verstarb in Brühl bei Köln Professor Dr. Gert von der Osten, der ehemalige Generaldirektor der Museen der Stadt Köln und Direktor des Wallraf-Richartz-Museums.

Gert von der Osten, am 17. Mai 1910 in Otterndorf an der Niederelbe geboren, wuchs in Hannover auf und legte dort die Abiturprüfung ab. Aus humanistischer Schulung erwuchs ihm die Neugierde und das Verständnis für die vielfältigen Formen, in denen Geschichte der Kunst greifbar ist. So begann er 1928 das Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte in Marburg, München, Berlin und Halle/Saale. Seine kunstgeschichtlichen Studien schloß er 1933 bei Paul Franke in Halle mit einer Dissertation über die Ikonographie des Schmerzensmannes ab. Nach einer Volontariatszeit an den Berliner Museen war er ab 1938 Kustos der Landesgalerie in Hannover. Erst 1948 konnte er nach Kriegsdienst und Gefangenschaft wieder die Tätigkeit am Museum in Hannover aufnehmen. Am 1. Dezember 1960 erfolgte die Berufung als Generaldirektor der Museen der Stadt Köln und als Direktor des Wallraf-Richartz-Museums.

Trotz der intensiven Belastung durch das Amt des „Generals“ fand Gert von der Osten immer wieder Zeit, sich mit der kunsthistorischen Forschung auseinanderzusetzen. Bereits 1944 legte er seine Habilitationsschrift über die Kunst des Manierismus in Deutschland vor. 1951 erhielt er einen Ruf als Privatdozent für Kunstgeschichte an die TH Hannover; 1961 wurde er Professor der Kunstgeschichte an der Universität Köln. Seiner väterlichen und großzügigen Hilfe verdanken viele Arbeiten von jüngeren Kunsthistorikern ihre Entstehung und entscheidende Förderung. Als Herausgeber des Wallraf-Richartz-Jahrbuches schuf er ein wissenschaftliches Forum, in dem sich Fachkollegen aus aller Welt zusammenfanden.

Sein eigenstes Anliegen jedoch war die Erforschung der Kunst der Reformationszeit. Ihr galt seit Jahrzehnten die Mehrzahl seiner Veröffentlichungen. Bis zuletzt setzte sich Gert von der Osten mit dem Werk des deutschen Malers Hans Baidung Grien auseinander; so konnte er es noch erleben, daß der von ihm erarbeitete Gemäldekatalog des Künstlers im Druck erschien – die Zeichnungen und die Graphik sollten später folgen.

Von Beginn seiner Tätigkeit in Köln an konnte Gert von der Osten planmäßig durch Ankäufe die Bestände des Wallraf-Richartz-Museums ausbauen. Ihm gelang es 1968, die berühmte Sammlung Ludwig nach Köln zu ziehen – was wäre die Domstadt heute ohne Lust und Leid dieses Themas? Von der Osten begründete auch den Ruf der Stadt als Ausstellungsstadt durch überregional anerkannte Unternehmungen. Schließlich setzte er im Zusammenhang mit dieser Expansion und Explosion der Kunst einen Museumsneubau durch, wie er seit längerem schon gefordert wurde.

Gert von der Osten war, obwohl selber ein eher zurückhaltender Mann, ein ungewöhnlich anregender Museumsleiter, und dieser Beweglichkeit ist es mit zu verdanken, daß die Kölner Museen unter seiner Leitung zu einer außerordentlichen Blüte gediehen, daß sie so etwas wie ein Stadtsymbol geworden sind, das schönste Symbol neben dem Dom, ein lebendiger Bestandteil des Stadtgefüges. Rainer Budde