Bayerischer Gockel, dessen populärer Name wohl dem Umstand zu verdanken ist, daß das Vieh schon um acht Uhr morgens aus dem Busch kräht. Unbeliebt und Gegenstand vieler Zivilprozesse. Erst kürzlich berichtete die Presse: In der Gemeinde Eching am bayerischen Ammersee wohnen 1404 Menschen, 669 Rinder, elf Schweine, drei Schafe und 15 Hähne. 14 davon sind normale deutsche Haus- und Hofgockel. Einer aber ist etwas Besonderes: ein Zwerghahn namens „Tscheki“. Er mißt von seinen gefiederten Füßen bis zum blaßrosa Kamm nur 16 Zentimeter. Seine Stimmbänder sind dafür um so kräftiger ausgebildet. Und das ist der Grund, weshalb sich die bayerische Justiz seit einem Jahr mit diesem Federvieh beschäftigen muß. In der vergangenen Woche fällte die 4. Zivilkammer des Augsburger Landgerichts als Berufungsinstanz ein abschließendes Urteil im Hahnen-Kampf: Tschekis Kikeriki gilt als unzumutbare Lärmbelästigung. Die Richter teilten damit die Ansicht der Familie Rudolf und Emilie Kofron, die mit Tochter und Schwiegermutter in der Greifenberger Straße 8 a in Eching wohnt Mauer an Mauer mit Tscheki, zwei Hennen, einer Wachtel und sechs Fasanen. Die Geflügelzucht gehört dem Nachbarn Franz Gebele, 56, mit dem die Kofrons anfangs noch freundschaftlich per „Du“ waren. Das wurde schlagartig anders, als der Schreiner Gebele an Stelle seines alterschwachen Dorfgockels vor zwei Jahren den Zweigbahn kaufte. „An und für sich hab’ ich nichts gegen Hähne“, versichert Rudolf Kofron, 41. Aber Tscheki krähe nun mal nicht wie ein normaler Hahn, sondern mehr wie eine hysterische Operndiva: „schrill, laut und oft“. Als Schichtarbeiter kommt Rudolf Kofron meist erst gegen ein Uhr ins Bett. „... und drei, vier Stunden später weckt ihn dies’ gottserbärmlich graisliche Geschrei wieder“, klagt seine Frau. Man versuchte es mit Ohrenstöpseln, Schlaftabletten und einem „vernünftigen Gespräch“ mit dem Gebele. Aber der Bauernsohn fragte nur verblüfft: „Soll ich dem Gockel vielleicht den Schnabel zubinden?“ Da zogen die Kofrons vor Gericht: mit sieben Zeugen, einem Tonband und einer Kikeriki-Statistik, die bewies, daß Tscheki an bellen Sommertagen schon morgens ab 3.40 Uhr schreit... „bis zu 40mal in der Stunde, durchdringend und schrill“. Das Landsberger Amtsgericht beriet lange, ob in diesem Hahnenstreit nur „eine subjektive Geräuschempfindlichkeit der Nachbarn“ oder „eine objektive Ruhestörung“ durch einen Zwerghahn vorlag – und gab schließlich dem jammernden Schichtarbeiter recht. Tscheki erhielt Kikerikiverbot.