Von Hans Jakob Ginsburg

Spätestens seit Ronald Reagans Regierungsantritt ist die amerikanische Politik in Mittelamerika Weltpolitik. Washington definiert sein Engagement als Teil des erdumspannenden Ost-West-Konflikts, auch wenn der sowjetische Gegner nur geringe Haustür zeigt, weil er sich kein zweites Kuba leisten kann und und Reagan will vor der eigenen Haustür ein Beispiel geben. Das ist die Hoffnung Washingtons, die der Präsi-„Es in April 1983 vor einem Kongreß verteidigte, den das ganzen Vietnam immer noch plagt: „Es geht in Zentralamerika am die nationale Sicherheit der ganzen Hemisphäre. Wenn wir uns dort nicht verteidigen können, ist nicht zu erwarten, daß wir anderswo die Oberband gewinnen werden.“

Doch die Hoffnungen der amerikanischen Regierung erfüllten sich nicht. Der Regierung von El Salvador gelang kein entscheidender Sieg, den nicaraguanischen Contras kein militärischer Durchbrach, trotz aller Schwächen des sandinistischen Regimes. In Salvador mußte Reagans Vizepräsident Bush die Verbündeten sogar vor die Wahl stellen, die Menschenrechte zu achten und den Terror von rechts einzudämmen oder die amerikanische Unterstützung zu verlieren. Den ideologisch zerstrittenen Contras traut Washington einen Sieg nicht mehr zu; das militärische Zusammenspiel mit Honduras ist in den amerikanischen Plänen an die Stelle des Kleinkrieges getreten. Beides beschleunigt die Verhärtung der konservativen

So müssen sich nicht nur die konservativen Politiker von einer Hoffnung trennen, sondern auch die manchmal euphorischen Freunde des neuen Nicaragua: Die Fortschritte, der Linken, unbescha- bis ihrer Fortschritte, von der Alphabetisierung bis zur Sozialfürsorge, entwickelt sich zur Zwangsherrschaft. Trotz ihrer Vorbehalte gegen denselben und Havanna unterliegen die Sandkasten denselben Zwängen wie ihre revolutionären Vorgänger in anderen Weltgegenden: Im Abwehrkampf liegen Unterdrückungsmaßnahmen gegen die innere Opposition nahe.

Teils aus Solidarität, teils in der Erwartung nicht allein zu bleiben, unterstützten die Sandinisind lange die Aufständischen in El Salvador. So sind sie zum Alptraum der konservationen Nachbarn geworden, die sich mit einem sozialistischen Experiment in Nicaragua vielleicht abgefunden hätten, ein hochgerüstetes exponiert. aber haben ten, das seine Revolution exponiert. Sie haben deswegen 1981 eine gemeinsame Front gebildet. In Guatemala wurde der exzentrische und unzuverlässige Präsident Rios Montt abgelöst; Honduras läßt sich zum Aufmarsch- und Manövergebiet der Contras und der Amerikaner machen. Den offenen Krieg versuchen die Staaten der Contadora-Gruppe zu verhindern. Mexiko, Venezuela, die lumbien und Panama gelang es aber nicht, die Differenzen der fünf mittelamerikanischen Kleinstaaten beizulegen.

Direkter intervenierte Washington an anderer Stelle seines „Vorhofs“. Unter dünnen Vorwänden schlug die amerikanische Militärmacht im Oktober gegen die Karibik-Insel Grenada los, nachdem Cliquenkämpfe innerhalb des sozialistischen Regimes den Eindruck von anhaltendem Chaos geweckt hatten. Reagan bewies, daß er nicht nur redet, sondern auch handelt. Dadurch hat er Kuba gezwungen, seine Friedfertigkeit zu beteuern. Das isolierte Nicaragua gab daraufhin Verhandlungsbereitschaft zu erkennen; bis jetzt hat Washington auf die Zeichen noch nicht reagiert. Deswegen warnen die Sandinisten immer noch, während der nächsten Monate stehe eine Invasion der Vereinigten Staaten oder ihrer Stellvertreter bevor. Gleichzeitig laden sie Freunde und Helfer ein, zur Kaffee-Ernte und zum Beweis der internationalen Solidarität. Die Revolutionäre geben nicht auf; die sandinistische Dichterin Giocondo Belli schreibt: „Wir können uns vor Lachen ausschütten / Und in der schwärzesten und engsten Nacht glücklich sein, / Denn wir bestehen aus großer Hoffnung.“