Von Wolfgang Gehrmann

An Bahnen ist in Bodenmais kein Mangel. Die mit erkennbarem Hang zur Vollständigkeit verfaßte Liste touristischer Attraktionen führt eine Sesselbahn, eine Sommerrodelbahn und etliche Kegelbahnen auf. Was fehlt ist die Eisenbahn.

Dabei wäre die Bahnlinie, die vom fünfzehn Kilometer entfernten Zwiesel in den abgelegenen niederbayerischen Kurort Bodenmais heraufführt, wirklich erwähnenswert, weil sie nämlich das Eisenbahnfahren noch richtig zum Abenteuer macht.

Der sechsmal am Tag über das einspurige Gleis rumpelnde Doppeltriebwagen läßt die langweilige Gewißheit, auch immer das Ziel zu erreichen, beim unvoreingenommenen Reisenden durchaus nicht aufkommen. Der Schienenstrang ist dermaßen vergammelt, daß der Zug oft nicht schneller als zwanzig fahren kann. Die spärlich besetzten Wagen sind so altersschwach, daß der Kondukteur vom aus dem Dienstabteil immer mal wieder nach dem Anhänger zu spähen scheint, der dann aber stets doch noch hinten dranhängt.

Der triste Bummelzug von Bodenmais soll deshalb stillgelegt werden – und das nun macht ihn vollends bemerkenswert.

Auf der Strecke Zwiesel-Bodenmais nämlich wird sich zeigen, ob die Bundesbahn endlich teuren Ballast abwerfen und finanziell gesunden kann. Geht es nach dem neuen Vorstand des hochdefizitären Staatsuntemehmens – der Verlust liegt 1983 über vier Milliarden Mark werden in den nächsten Jahren siebentausend Kilometer Eisenbahnlinien stillgelegt, auf denen hauptsächlich leere Personenzüge verlustbringend durch dünnbesiedelte Gegenden rollen. Das Bahnnetz würde dann um ein Drittel schrumpfen – auf einen gesunden Kern, wie die Bahn-Manager meinen, auf dem allein zu vertretbaren Kosten und mit hinlänglichen Erträgen gefahren werden kann.

Doch den Rückzug der Bahn wollen Bürgermeister, Landräte und Bundestagsabgeordnete in den betroffenen Sprengeln nicht akzeptieren. Über die Länderregierungen üben sie Druck auf den Bahneigner Bund aus, der ein Vetorecht gegen Stillegungen hat.