l" Tndenkbar, daß ein junger ArchiyJtekturprofessor zunächst einmal die Zeichnungen seines berühmten Vorgängers "einfach wegwerfen" ließe - so wie das German Bestelmeyer 1921 mit den 30 000 Zeichnungen Friedrich von Thierschs, kaum daß er gestorben war, angefangen hatte. Ein paar beherzte Schüler Thierschs retteten wenigstens ein Drittel dieser Blätter, die heute einen Schatz sondergleichen darstellen: kaum jemand, der Architektur präziser, phantasievoller, sicherer zeichnen konnte (kann) als der Münchner Großmeister des Eklektizismus Über ihn hat Horst Karl Marschall eine thematisch wohlgeordnete, gründlich unterrichtende, gut zu lesende Mongraphie geschrieben: "Friedrich von Thierscn — Ein Münchner Architekt des Späthistorismus 1852 1921". Die zwei Vorworte und die Einführung wecken auf angenehme Weise Aufmerksamkeit, man wird auch nicht enttäuscht. Im ersten Teil gibt der Autor einen kompakten Überblick über Leben, Werk und Zeitumstände des großen Historisten, der über vier Jahrzehnte lang ein gefeiTheodpr Walter"

reichlich nungen, phien illustriert, die detaillierte, farbige nicht zuletzt der gemäßigradikalen Modernen (von über Paul Bonatz bis ropius) war. Dann folgt, und interessant mit ZeichAquarellen und Photora.

Beschreibung seiner Arbeiten, deren bekannteste der Münchner Justizpalast, das Wiesbadener Kurhaus und die Frankfurter (Messe )Festhalle sind, Bauwerke, deren Großartigkeit nichts Lächerliches hat und an deren einem der Festhalle - man den einfallsreichen und ziemlich mutigen Konstrukteur erkennt: Ein Glück, daß sie nicht beseitigt worden ist. Thiersch war ein detailgenauer Entwerfer, ein intelligenter Bautechniker und, ehe es das gab, ein vorausahnender Funktionalist. Das Buch, anfangs eine Dissertation, belegt dies mit gelassener Wissenschaftlichkeit, zu der gehört, daß es mit Anmerkungen, Register und Tabellen gut ausgestattet ist (Prestel Verlag, München, 1983; 424 S, 284 Abb, 182 DM ) Manfred Sack